Heute war wieder mal ein Tag der Ausflüge. Das Resultat habe ich vorerst nur als Malerei, die Geschichte dazu kommt später.
Heute dagegen, ist der Tag des Nachtdienstes ;-) So kann ich es mir leisten, ein paar schöne Geschichten doch noch zu erzählen. Ich werde sie später, irgendwann mal – sicher gut gebrauchen können… Jetzt und heute möchte ich sie erst einmal teilen und damit auch in Erinnerung behalten. Weil sie schön sind. Menschlich. Lebendig. Glückliche Geschichten. Meine Geschichten. Aber auch die Geschichten anderer Menschen. Menschen, die mir oder Ihnen völlig unbekannt sind. Und dennoch macht es nichts. Aber es macht – etwas aus. Auch mich und mein Leben. Und damit auch diese kleine Geschichte in einem Blog…
Ich fange am Besten mit den Bildern an. An und für sich gäbe es nicht viel zu erzählen. Blumen halt, mit ein paar Regentropfen von der letzten Nacht als nette Zugabe für den Betrachter und für meine flinke Augen. Ein Eichhörnchen. Das erste Wort einer Frau, das sie in Deutsch gelernt hat. Sinnbild für das Horten. Essen. Flüchten. Springen von Baum zu Baum. Nett anzuschauen, aber immer unsicher, ständig auf der Hut, auf der Flucht… Ach, nicht so wichtig… Dennoch denke ich bei diesen Bildern und Begegnungen auch an so etwas. Ich denke viel nach. Manchmal auch wirklich zu viel ;-) Aber auch aus solchen Geschichten entstehen Bilder. Und wiederum aus solchen Bildern neue Geschichten. Für dieses Eichhörnchen unten (übrigens eines von 7 Stück, das ich an diesem Tag auf dem Melaten gesichtet und abgelichtet habe) habe ich in meinem Lieblingssupermarkt extra ein Tütchen Studentenfutter gekauft. Und nicht nur das. In drei Anläufen auf verschiedenen Stellen des Friedhofes habe ich je drei Serien von Bildern geschossen. Um genau zu sein – 42 Bilder. Auch nicht so wichtig. Auch an Eichhörnchen denke ich, während ich mich für die nächste Tour auf dem Melaten vorbereite. Und habe Spass dabei. Und was für einen! Nicht nur beim Denken. An diesem Tag auf dem Friedhof war ich wieder ein Kind. Riesengrosse Augen, als mir das erste Eichhörnchen vor das Fahrrad lief. Kamera im Anschlag, Tütchen aufgerissen, wollte ja teilen… Denkste… Beim ersten Rascheln des Lockmittels war es weg. Flink, die lieben Kleinen… Auch nicht so wichtig… Dachte ich. Und fuhr weiter im Schritttempo über den Friedhof. Machte meine Bilder, lebte das Kind in mir aus. War glücklich. Und wurde es noch mehr, als mich das nächste Duo begrüßte. Sie wissen schon… Kamera im Anschlag, Tütchen war schon auf, meine Schritte immer leiser. Nur mein Herz pochte immer und immer lauter. Nur so am Rande… Ich als Eiland habe die kleinen Viecher in Natura noch nie gesehen. Das erste Mal hier in Deutschland. Vorsichtig die ersten Nüsse zugeworfen… Nichts passierte. Ausser dass sie flink sind, sind sie auch noch klein und schlau. Schade nur, dass sie ein Neutrum sind :-) Und so spielten wir miteinander ein fast nie endend wollendes Spiel. Die Beiden haben mich verzaubert, wie es sonst nur eine Frau tun kann. Tänzelten hin und her, schauten mich mit genauso großen Augen an, schnappten sich ihr Futter und waren schon bei Eins wieder auf den Bäumen :-) Aber es war lustig. Wirklich. Habe bestimmt etliche Bilder gemacht, auf denen nur der halbe Eichhörnchenkörper zu sehen ist. Die andere Hälfte war schon auf der Flucht. Und nicht dass ich protzen will, aber mein kleines Schwarzes kann im Sportmodus bis zu 10 Bilder pro Sekunde schiessen. Die Schlussfolgerung wäre – entweder bin ich ein langsamer Fotograf oder die sind doch ziemlich schnell… Könnte aber auch Beides zutreffen :-) Zahm waren sie jedenfalls nicht. Und so bin ich wieder weiter gefahren. Aber diese Bilder und das Funkeln in den Augen (sowohl in meinen als auch in den Augen der Tiere) habe ich nicht vergessen. Das Beste kommt noch… Die Unbestechlichen…
Friedhof. Für mich zunehmend ein Ort der Stille und Erholung. Vor allem der Melaten. Unfassbar schön. Faszinierend. Manchmal fühle ich mich wie im Urwald, den keiner zu Ende erforscht hat. Ich entdecke jedes Mal etwas Neues. Neue Details, die Botanik verändert sich, passt sich den Jahreszeiten an, die Skulpturen sehen je nach Tageszeit anders aus, nach dem Regen ist alles noch grünlicher, noch lebendiger, noch schöner… Und ich, Irrer, wollte (als ich endlich Nahaufnahmen mit meiner neuen Kamera machen konnte) damals noch in die Baumärkte fahren oder in die Flora, um Blumenbilder zu schiessen. Seit ich Melatenfriedhof kenne und meine Augen noch öfter und besser offenhalte… Es gibt keinen Blumenladen, keinen Baumarkt, keinen noch so schönen Naturgarten auf der Welt (geschweige denn in Köln), wo man bessere Bilder von Blumen machen könnte, als auf einem Friedhof. Gerade dort. Ein Ort des Todes, des Leides und der Trauer. Gerade dort ging mir irgendwann auch dieses Licht auf. Reiht sich alles auf. Und an. Auch dieses Lied von Frau Williams über Schnee im Juni. In dem sie, unter anderem, auch darüber singt, dass manche Sachen, nach denen wir suchen, nicht mehr suchen müssten, wenn wir sie nur sehen/erkennen könnten/würden. Inmitten eines so traurigen, trostlosen Ortes sehe ich mittlerweile auch, wie grün und schön das Leben ist. Die Natur. Auch im Winter. Und wie wunderschön eigentlich Blumen sind. Gerade an so einem Ort. Und wenn noch etwas Regen dazu kommt… Glücklicher Hasi :-) Ein bunter Friedhof voller Leben und zwei Kameras voller Bilder. Ein Tag und 1100 Mal Glück. Und eine kleine Geschichte als nette Zugabe…
Dieser Tag war voller Zugaben. Die Eichhörnchen waren nur ein Teil davon. Im letzten Drittel meines Ausfluges hatte ich dann wieder eine Eichhörnchen Begegnung. Das Beste zum Schluss…
Ich ruhte mich kurz auf einer der unzähligen Friedhofsbänken aus, nippte gerade an meinem Kaffee und aß die kleine Salatschale vom Vorabend… Da hörte ich plötzlich ganz laute Geräusche, die ich mit Worten gar nicht beschreiben vermag. Irgend ein Ding zwischen Quieken, Fiepen, Stöhnen und Kichern. Die Eichhörnchen waren wieder im Anmarsch. Eine ganze Kolonie! Wahrscheinlich hat die gesammte Famile Eichhörchen am gleichen Tag wie ich Ausflug gemacht :-) Jedenfalls waren (sind) sie – genauso verfressen wie ich. Auf den Punkt genau, als ich meine Plastikgabel in die ersten Salatblätter stechen wollte, kam die ganze Famile zu Besuch. Taten zumindest so als ob. Bemüht haben sie sich ja… Erst nettes Fiepen zur Begrüßung, dann schön aus der Distanz gegenseitig beäugen, um dann den geordneten Rückzug anzutreten. Wahrscheinlich um so eine Art Eichhörnchen-Familienrat einzuberufen, um weiteres Vorgehen zu besprechen. Die Canon war abermals schon wieder im Anschlag. Sie ist schon Kummer gewöhnt… :-) Nennen Sie mich ruhig bescheuert (ich stehe auch dazu, keine Sorge :-), aber langsam glaube ich, dass die Eichhörnchen diese Legenden der alten Indianer auch gehört haben müssen, dass ein Fotoapparat einem die Seele rauben kann, wenn man ihn fotografiert. Jedenfalls war der Besuch der Eichhörnchen-Horde ziemlich zeitgleich mit dem ersten Klick der Canon schon wieder vorbei. Dann dachte ich wieder an mein Tütchen aus dem Supermarkt. Ich bin ja schon ziemlich vergesslich. Das Gute daran ist, ich kann ja folgend auch nicht nachtragend sein. Aber manche Sachen vergesse ich nie :-) Schon seit dem letzten Besuch des Melatenfriedhofs dachte ich an diese kleine Tierchen und wünschte mir so sehr, wenigstens eines davon im Großformat vor die Linse zu bekommen. Umso größer war in diesem Moment die Enttäuschung. Aber im nächsten Moment dachte ich wieder an diesn Satz… Verliere deine Träume nie aus den Augen. Die kleinen Dinge des Lebens, die dich glücklich machen. Manchmal kann das auch ein Tütchen Studentenfutter sein. Sie flink – ich pfiffig :-) Und so raschelte ich wieder. Fütterte seelenruhig die ausgesuchten Rosinen (nicht nur das Sprichwort, auch die Kombination mit dem Salat hatte es in sich :-) bis das größte Eichhörnchen wieder vom Baum runterflog. Rennen kann ich es nicht mehr nennen. Ihre Geschwindigkeit ist schlicht und einfach unbeschreiblich. Ich hatte kaum die erste Ladung Rosinen im Mund, schon stand das Eichhörnchen neben der Bank und schaute mich mit seinen großen schwarzen Augen an. Als ob sie es mir sagen wollte: “Hey, Alter, schieb mal was ab! Hier gibt´s kein Kindergeld und Supermarkt. Hier tobt das wahre Leben!” Tote Hose wohl nicht. Zumindest nicht immer :-) Noch ein Grund mehr, bald wieder zum Melaten zu fahren… So kamen die Unbestechlichen immer näher, ich wurde immer mutiger… Zuerst die Haselnüsse. Die waren aber noch schneller weg, als die Eichhörnchen selbst. Und immer wieder das Gleiche… Nüsse zuwerfen, Kamera an, Nüsse geschnappt, Besuch beendet, kein Foto, Lagebesprechung, Anmarsch, Essen To Go und Dr. Eichhorn wieder auf der Flucht… Ich hab mich kaputtgelacht! Und ich hätte weiter lachen können, wenn sich ein Besucherpärchen nicht zufällig in meine Schusslinie verirrt hätte. Zwei junge Leute, umarmt – schauten gespannt und selbst lächelnd unserem tierischen Treiben zu und blieben stehen. Und wie von Gotteshand geführt, kam dann ein Eichhörnchen-Nachbar hinzu. Was dann los war… Höllische Nachbarn wäre wahrscheinlich die passendste Bezeichnung für die nächsten Minuten. Da wird einem im gleichen Atemzug die Bedeutung des Begriffes “Mundraub” bewusst. Der nicht so fotogene Nachbar wollte unbedingt mit zu Besuch, meine kleinen (fast) Freunde waren dann dermaßen mit der Vertreibung des Eindringlings beschäftigt und erschöpft, dass sie mir immer näher kamen, die Nüsse immer schneller weg waren und der Hunger durch ihre körperliche Betätigung so groß geworden, dass sie mir mittlerweile auf einen Schritt Entfernung kamen. Kölner Eichhörnchen sind definitiv nicht zahm :-) Während das Pärchen immer lauter lachte und Eichhörnchen immer lauter fiepten und miteinander stritten – bin ich in die Knie gegangen. Kamera an und klick, klick, klick… Gleichgestellt mit Glück, Glück, Glück… Wenn zwei sich streiten… :-) Eichhörnchen beim Füttern (jetzt habe ich den Dreh raus, die Pekanüsse sind die Besten. Zu groß und zu mächtig zum Wegschleppen, zu lecker, um sie nicht zu essen… Gleichbedeutend – auch ein lahmer Hasi hat mit ihnen genügend Zeit um ein Ganzkörper-Eichhörnchenfoto zu erwischen :-) Man, war ich glücklich!), Fotos auf den Grabsteinen, auf dem Baumstamm, während sie wegflitzten, auf dem Ast, beim Essen fast in meiner Reichweite, quasi in die Linse atmend… Herrlich! Und erst dann, als ich alle meine Bilder im Kasten hatte, ging auch dieses Pärchen an uns vorbei und lachte. Ganz laut. Alle Beide. Auf dem Friedhof!
Einige Zeit später war ich so… Hmm… Wie soll ich es erklären? Gleichzeitig aufgeregt, zufrieden und ruhig, dass ich mir für jedes einzelne Foto, das ich (meistens) von den Engelstatuen richtig Zeit genommen hatte. Ich war so von diesen Momenten mit den Puschelschwänzchen bewegt, dass ich diese Ruhe einfach genießen musste. Nicht so wie sonst immer – draufhalten und weiter geht´s. Nein, die Zeit, die man sich für ein Foto nimmt… Erst sie macht aus einem Bild ein halbes Kunstwerk. Auch das lerne ich noch :-) Und so bin ich mal Nicht-Üblicher-Weise auch hinter die Statuen gegangen, hing halb in den Büschen herum, ging in die Hocke, legte mich auch manchmal auf die Erde… Ruhe spüren und genießen. Betende Hände. Klinik. Wieder neue Geschichten… Ein andernmal, vielleicht… :-)
Und so lag ich bei dieser riesengroßen Statue unten im Grass… Voll konzentriert, Ruhe, ruhige Hände, Motiv anvisiert, erst nur das linke Auge zu, dann auch das rechte, einatmen, nicht wackeln, ganz ruhig, gleich macht es “Klick”… Auf einmal macht es “Tipp”. Mir auf der Schulter. Wenn ich nicht so ein Ruhiger wäre und nicht so ein schönes Hobby hätte – wäre ich wie von der Tarantel gestochen aufgestanden und hätte der Person in diesem Moment eine reingehauen :-) Aufgestanden bin ich trotzdem. Eher erschrocken und überrascht. Charly würde sagen: Zugefallen. Eher angetippt. Da stand es vor mir. Ein Kind von einer älteren Dame. Spiegel meiner Seele. Ein Mensch, den ich vermutlich zum ersten und zum letzten Mal in meinem Leben gesehen habe. Aber diese glänzende Augen waren die gleichen, die ich an diesem Tag hatte, die gleichen, aller 7 Eichhörnchen… Neugierde, Freude, Offenheit, Vertrauen… Herz eines alten Menschen, dem sein Leben und Gebrechlichkeit im Gesicht geschrieben standen. Aber die Augen, das waren die Augen eines Kindes. Und das, was sie sagte – erinnerte mich wieder an die letzten Wochen. An ein Gespräch mit Määh-Lena über die Zeit nach der Klinik, an ein Gespräch mit einer Borderlinerin, die momentan auch unter einer Schreibwut leidet… Leben, Glücklichsein, Schreiben, das machen, wofür man bestimmt ist, was einem Spaß macht, Träume, Augen, nicht aus den Augen verlieren, Kind bleiben… Das alles schoss mir durch den Kopf, als ich diese alte Frau vor mir sah. Und noch mehr davon, als sie wieder fortging. Sie stellte mir anfangs nur eine einzige Frage. Das danach war nur Smaltalk. Etwas Menschlichkeit und Wärme. Ein paar “Floskeln” über das schöne Wetter für das Fotografieren. Meine Antworten darauf, es sei wenigstens nicht so heiß, ich mache die Fotos für mich, privat… Aber ein Satz… Einer der Sätze, die für immer hängen bleiben. Vielleicht auch einer von denen, die dein Leben für immer verändern. Oder zumindest noch mehr in die richtige Richtung lenken ;-) “Schreiben Sie ein Buch?” Hallo?!? Kamera… Fotos… Liegstu… Knippstu… Woher sollte sie es wissen? Warum gerade diese Frage? Warum gerade ich? Hätte ich nicht vorher auf der Erde gelegen, wäre ich… Auch so hat mich dieser Satz umgehauen. Es wird langsam an der Zeit… Eines bin ich mir sicher: Charly kenne ich auch nicht. Der Glaube an Gott und Zugefallenes hält sich bei mir noch im gesunden Rahmen. Aber diese Begegnung wird nicht nur ein Lesezeichen und ein Artikel in meinem Blog bleiben. Mehr Zeichen brauche ich nicht…
Die letzte Zugabe dieses 10-Stunden-Tages war noch eine Begegnung mit zwei weiteren älteren Damen. Sie suchten den Sensenmann. Und fragten ausgerechnet mich, wahrscheinlich weit und breit den einzigen kroatischen Einwanderer nach der Wegbeschreibung zu ihm. Aber ich hatte einen Plan. Meinen Plan vom Glück :-) Einen schon ziemlich mitgenommenen DIN A4 Lageplan des Friedhofs aus dem Internet. Zugefallen oder nicht, diese Statue war mein letztes Ziel für diesen Tag. Die beiden Damen suchten genau das Gleiche wie ich. Zum Glück habe ich mich vorher im Internet über die Lage der Statue kundig gemacht und so dürfte ich die Beiden mit meinem Fahrrad herumlotsen. Und wieder diese so kostbare Menschlichkeit… Dankbarkeit, Funkeln der Augen, Reden… Irgendwann trafen wir uns wieder an der Statue. Macht nachdenklich… Gerade dann, wenn man die Sanduhr entdeckt. So unscheinbar sie auch sein mag in der Gesamtheit so eines schönen Werkes. Sie ist unermüdlich. Meine Finger noch lange nicht. Ich weiß, wo meine Rosinen sind. Eine davon hat gerade diese Zeilen durchgelesen. Stelle dir solche Fragen nicht. Wege und Entfernungen sind nicht wichtig. Die Zeit ist es. Die Zeit, die man sich für etwas nimmt. Die Zeit, die uns übrigbleibt. Auch dafür, um Gedanken auszutauschen, um Antworten zu bekommen. Die meisten meiner Antworten kenne ich schon. Du auch. Das sind die Vorzüge eines erfüllten, wenn auch langsam gebrechlichen Lebens. Gerade bei den Fragen, auf die es keine Antwort gibt, geben kann. Verschwende deine Zeit nicht. Lebe sie. Und sei glücklich. Weil… Ich… Rrrrr… :-)
Bis bald… ;-)

Die Unbestechlichen

6

Das geplante Regenmacro

Engel sanft

Der Sensenmann vom Melatenfriedhof