
Karneval in Köln
Untertitel: Wie werden Männer in nur 5 Tagen glücklich?
Ich bin ein Mann. Und bin gerade glücklich ;-) Aber 5 Tage sind auch – relativ kurz…
Köln ist schon eine lustige Stadt. Erstaunt mich imer wieder aufs Neue. Ich könnte jetzt weitere Unter-Untertitel hier aufzählen, die mir eben nur für diese tolle, lustige Stadt oder zum Karneval einfallen würden, aber ich lasse es lieber. Komme jedoch nicht hin, ohne wenigstens einen Untertitel, wenn ich schon das Thema „Karneval“ in meinem Blog anschneide. Karneval ist nicht nur Karneval. Karneval ist Köln. Köln ist Vielfalt. Facetten. Mehrere Untertitel. Manchmal auch Einfalt. Ich bevorzuge das Erstere. Und möchte keineswegs eine Diskussion über Karneval im Jahre 2009 lostreten. Nur einige Sachen anmerken. Die Gedanken sind frei… Ich bin immer noch ein Kroate in meinem tiefsten Inneren. Habe es somit nur ganz wenig mit Diskussionen am Hut. Wenn, dann lieber feiern, den Hasi raushängen, ein bissel darüber schreiben, teilen und die 5. Jahreszeit gebührend begrüssen. Alleine das – die 5. Jahreszeit – hört sich schon lustig an. Hätte ich nicht das Glück, diese Stadt kennen- und lieben lernen zu dürfen, würde ich als Ime denken „Die spinnen, die Colonier“. Wäre für mich dasselbe, als wenn jemand, der im Februar geboren ist, seinen Geburtstag am 29. feiert. Nur weil es lustig ist. Oder im März. Zur Jahreszeit namens Winterling. Yo, das war die Jungfrau in mir. Bricht manchmal mit mir durch. Wie Frohsinn auch. Aber ich bin ja schwingungsfähig. Also, schwinge ich mal mit. Wäre nicht Schunkeln genau das passende Wort dafür? Kommt im Übrigen von „Schnelles Schaukeln“. Ich nehme es auch nicht immer so genau. Und lasse jetzt mal die 5 Jahreszeiten gerade sein. Was man von Gehfähigkeit manch Kölner in eben dieser Zeit nicht immer behaupten kann. Wäre wieder ein schöner Untertitel. Einer geht noch. Nur der eine selbst, der wankt manchmal danach ein kleines bisschen.
Muss dazu noch sagen, dass ich, in Bezug auf Karneval, auch eine Art Metamorphose durchgemacht habe, ähnlich wie bei Weihnachten. Eine Art Grinch. Oder Oppositionsjeck. Hat sich auch gedreht. Eingependelt. Und nicht ausgeschunkelt. Zum Glück. Irgendwie werde ich jedes Jahr noch mehr jeck. Auch als Substantiv. Kurz vor dem 11.11. fängt es an, zu jucken. Oder jecken. Meist beides. Das habe ich meinen Freunden zu verdanken. Oder wiederum dieser Stadt und ihrer Umgebung. Dafür, dass sie so tolle Menschen hat. Offen und tollerant. Feierfreudig und trinkfest. Und lustig. Wenn sie mal gerade nix zum Meckern haben. Ein Rheinländer ist eine Frohnatur, schon von Natur aus. Das spüre ich so oft auf eigener Haut. Das haben sie aus mir gemacht… Ein Kroate, nicht gerade integrations- und anpassungswillig, Stolz in Person, gradlinig und bodenständig - mutiert jedes Jahr, pünktlich zu den tollen Tagen – zu einem schneeweißen, 184 cm langen Hasen aus Plüsch. Und obendrauf noch 20 cm Ohr und ein Puschelschwanz auf dem Hintern. Quasi – ich selbst. Quasi – Hasi. So viel zum Thema „Gradlinig und Bodenständig“. Nomen est Omen. Mer stonn zo dir… War nicht immer so. Mein „1. Mal“ hier in Köln war wunderschön. Das war´s dann aber auch. Meist auf das Übliche beschränkt: Gucken, Wurfmaterial einsammeln, ab und an „Alaaf“ und „Aaah, mir ist kaalt“ oder „Aaah, ein Bonbon hat mich getroffen“ schreien und wieder nach Hause gehen. Kulturschock eben. Meine Sitten im Kroatischen Karneval waren ungefähr denen ähnlich, wie am Halloween. Verkleiden, unschuldige Menschen belästigen, Süssigkeiten erreden und danach auch – nach Hause gehen. In Köln gibt es Süssigkeiten umsonst. Wohlstand ist echt toll! Bonbons werden einem nachgeschmissen. Wie ich mich dabei fühlte… Nun… Balkan ist kein Afrika. Trotz der langen Tradition des Maskare (yepp, so wird das bei uns genannt. Wer weiß, warum? :), kenne ich selbst nur die Zeiten, wo „Pfiffigsein im grauen und recht ärmlichen Alltag“ das alljährliche Motto für diese Tage hätte sein können. Die Masken waren meist von den schon etwas älteren Kindern aus meiner Familie ausgeborgt, Kleider meist von Erwachsenen. Von Kostümen, die man kaufen kann, konnte man eben nur träumen. Daher wurde einfach das Hässlichste genommen und miteinander kombiniert, bis es lustig genug war, um damit auf die Strasse zu gehen und Karneval zu feiern. Grosse Veranstaltungen gab es nicht. Alle paar Jahre, wenn jemand in der Schulverwaltung mal ein weicheres Herz für Kinder bekam – wurde ein Wettbewerb für das schönste Kostüm gemacht und sonst nix. Dafür waren wir glückliche Kinder. Pfiffig. Mein bester Kumpel damals – der hat unbemerkt den Erste-Hilfe-Kasten seines Vaters geplündert und wurde zu ersten Insel-Mumie. Ich hatte keinen Sinn für so was. Immer irgendwie – ich selbst geblieben. Manchmal ganz humorlos. Aber mit immer noch genügend Einfällen. Einmal bin ich als Roboter rumgeschlendert. Oder als das, was man mit viel Fantasie darunter verstehen konnte. Kopf – ein kleiner Karton. Rumpf – eben ein grösserer. Radio-Antenne am Auto des Bruders abgeschraubt, oben durchgesteckt und fertig war das Kostüm. Mein Bruder auch, als er gemerkt hat, dass die Antenne fehlt. Hab aber immerhin weniger Prügel abbekommen, als mein Kumpel mit den Verbänden. Aber aus diesen, meist traurigen Geschichten, haben wir gelernt, das Beste aus jeder Situation zu machen. Standen ein für unser Tun. Hatten Träume, Ideen. Und waren glücklich. Obwohl andere Zeiten, anders als heute. Zeiten, als es bei Hausbesuchen noch warme Plätzchen gab, extra für uns Kinder gebacken. Oder eine kleine Tafel Milka, übriggeblieben von den Touris vom Sommer des letzten Jahres. Sogar über ein Ei oder Glas Milch haben wir uns gefreut. Für die, die sich mal was getraut hatten und an die Türe der Nachbarn klopften und Kinder sein wollten. Wo unsere Ideen und Einfälle auch von fremden, erwachsenen Menschen bewundert wurden. Wo gelacht wurde, wenn uns der eigene Nachbar unter unserem Kostüm nicht mehr erkannte. Gemeinsam. Jung und Alt.
Dann komm ich hierher und… Wie Alice im Wunderland. Schlaraffenland. Kennst keinen und kriegst alles. Keiner lacht dich an. Und keiner erkennt dich. Wo war nochmal Balkan? Prunkvolle Wagen, Pferde, bunte Kostüme, Musik, Süssigkeiten, für die man sich nur zu bücken braucht. Dafür kloppft man hier nicht an. Man schreit danach. Benutzt die Ellenbogen, um besser an die besten Stücke und Pralinen heranzukommen. Fängt sie mit dem Regenschirm auf. Und die, die zufällig irgendwo im Dreck liegen bleiben (oder nur zertreten werden) werden auch liegen gelassen. Und ich selbst bin mit dem Satz aufgewachsen: Geld liegt nicht auf der Strasse. Und lese heute in der Zeitung: Rezession. Wie unerwartet. Opelaner in Bochum bangen um ihre Jobs. Gleichzeitig bersten die Kneipen in Köln fast vor Menschenmengen Feierwütiger. Auch irgendwie humorlos. In dieser Stadt (in der, zur Erinnerung, jedes Jahr Christopher Street Day mit ähnlicher Aufmachung gefeiert wird, ohne grossartiger Rücksicht auf Geschmack und Nacktheit) fängt man an, das zu freizügige Aussehen von Frau Merkel auf einem der Umzugswagen zu zerreden. In einem so gennanten Hochburg des Karnevals? In der 5. Jahreszeit? Im Ausnahmezustand? Ja, die Grenzen, des guten Geschmacks… Regte sich irgendjemand über ihren Kleidungsstil (oder Geschmack) während der Feststpiele in Bayreuth auf? War auch nicht viel mehr (weniger) zu sehen. Regt sich jemand auch so über Alkoholleichen an diesen Tagen in Köln auf, die ähnlich wie Kamellen von den Strassen aufgesammelt werden? Über Kinder, die sich ins Koma saufen? Oder über nackte Tatsachen in unseren Geldbörsen? Über Menschen, die in dieser Krise ihr letztes Hemd verloren haben? Ihren Job? Lassen sie uns abrocken? Oder doch lieber abwracken? Die kleinen, bunten Kamellen-Corsas werden auch fast hinterhergeschmissen. Ist in ach-so-schlechten-Zeiten die Grenze des guten Geschmack eh nicht etwas verschwommen? Wie die Hohe der geschmakvollen Managerprämien? Ist Lachen nicht doch die bessere Medizin, als die 10 EUR Praxisgebühr, die wir uns genauso wenig selbst eingeführt haben, wie die neuliche Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge? Dann erwartet man von mir, als Bürger dieses Landes, dass ich mich anpasse? Und darüber nachdenke, was guter Geschmack auf einem bunten Karnevalswagen aus Pappe bedeutet? Indem ich nicht mal in schlechten Zeiten über diejenigen lachen darf, die uns das alles eingebrockt haben? Uns, kleinen Leuten, Wählern und An-5-Tagen-Im-Jahr-Feiernden, sonst immer Ehrlich-Arbeitenden? Meine Güte! Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Es reicht schon, wenn man sich diesen Mundwinkel über 300 Male im Jahr im Fernsehen anschauen muss. Er ist ernst genug. Passend zum Thema und zu der Lage dieses Landes und der Welt in Allgemeinem. Wenn man überlegt, dass derselbe Mundwinkel überwiegend schlechte Nachrichten zu verkünden hat und im Hinblick auf die durchschnittliche Verschuldung jedes Bundesbürger (einige Tausender pro Kopf, egal ob Greis oder Kind) kommt man sich auch ziemlich nackig und nicht gerade gut fühlend vor. Manchmal muss man eben auch lachen dürfen. Kann ja auch gut sein, dass aus lauter Paranoia um den guten Geschmack, auch mein Blog irgendwo ausgespäht wird, weil es nicht ins brave Schema, zum Anstand des Bloggens oder zum Thema passt. Uns darf man ja heimlich unter die Klamotten, auf die Finger und in die Festplatten schauen. Aber wenn ich eine (nicht mal die aus recyclebarem Plastik) Bierflasche am Rosenmontagszug über die Rübe bekommen sollte, kräht kein Hahn danach. Am Flughafen schon. Da darf man keinen Durst haben und muss alles Flüssige in schönen Plastikbeutelchen tragen. Nach wessen Geschmack war das? Da lachen sich die New Yorker kaputt. Sie selbst sind schon viel weiter. Laufen auf dem La Guardia in Socken rum. Genau wie die, vor denen sie sooo viel Angst haben. Geschmack ist Geschmack, aber Grenzen sind Grenzen. Und Stinkefüsse bleiben immer noch – Stinkefüsse. Und in diesem Land lachen Menschen noch immer über Turnbeutelträgerwitze? Selbst aber, fliegen wir in jeden Urlaub mit ähnlichen Beutelchen. Lachen wir dabei nicht irgendwo auch über uns selbst? Kann es unserer demokratisch gewählter Volksvertreter nicht? Oder die Wächter des guten Geschmack? Obwohl eine ähnliche Figur schon 2004 auf einem Karnevalswagen durch die Stadt rollte? Kein Wunder, dass die Leute Durst haben und den Kummer wenigstens einmal im Jahr geschmackvoll wegtrinken und Spass haben wollen. Gläserne Bürger, Plastikflaschen und Figuren aus Pappmache im Bikini. Wenn man so manche Diskussionen hört und liest – da kann man nur noch jeck werden. Oder eben glücklich. Verstehen Sie? Spass?





