Es wäre schön, wenn man so ein Ding hätte, das einem hilft, sobald man eine Idee zum Schreiben bekommt – diese sofort in den Blog reinzubiemen :-) Leider ist es so in meinem Leben nicht. Vielen Sachen eile ich nur (langsam :-) hinterher und die Zusammenfassungen schöner Lichtblicke lassen oft auf sich warten. Sei es drum. Die wichtigen finden eben in meinem Herzen statt. Oder in den Herzen, die ich mit meinem teile. Durch Gespräche, durch Zuhören, durch Liebe… Meist in einem schönen Wort, einem schönen Gedanken…
Solche Geschichten gibt es auch… Ein kleiner Blick in mein (Klinik-) Alltag. Diese habe ich am vergangenen Donnerstag vorgelesen. In der Infogruppe für die Patienten, die ich mittlerweile mit Vorliebe leite, wenn ich schon Spätdienst habe. Eine Geschichte von vielen. Geschichte zum Thema „Borderline“. Aufgrund der ordentlichen Zunahme der Patienten mit diesem Krankheitsbild auf unserer Station. Als Andenken an Stern-TV ;-) Gute Vorbereitung ist allles. Vor der Gruppe habe ich sie im Internet gefunden. Und heute, 2 Tage später, kam eine der Patienten auf mich zu… „Mir hat diese, Ihre Geschichte, so gut gefallen. Habe mich aber nicht getraut, Sie vor den vielen Mitpatienten danach zu fragen. Könnten Sie sie für mich nochmal kopieren?“ Tja… ;-)
Das perfekte Herz
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte:
„Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön wie meines!“
Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…genau gesagt… an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten den alten Mann an: Wie kann er behaupten das sein Herz schöner sei?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte:
„Du musst scherzen“, sagt er, „ Dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und Deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“
„Ja“, sagte der alte Mann, „ Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze. Denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.
Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der Andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat.
Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diesen Menschen empfinde.
Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden.
Erkennst Du jetzt, was wahre Schönheit ist?“
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten Herz und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Dieser nahm das Angebot an und setzte es in sein Herz.
Er nahm dann ein Stück seines alten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herz. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.
Der junge Mann sah sein herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in seinem Herzen fließen. Sie umarmten sich und gingen weg.
Seite an Seite.
Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat….
Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat…
P.S. Als Andenken an Jemanden (oder Etwas), der/das mir einige Narben hinterlassen hat. Trotzdem: Stolz darauf, dass ich so bin, wie ich bin. Oder so geworden bin. Oder das werde, wovon ich immer geträumt habe. Hast ihn nie verraten… Deinen Plan vom Glück…
Mir fällt gerade ein: Es ist immer noch Mai. Also habe ich den Sonntag immer noch Zeit, um eine kurze Mai-Lights-Dies-Und-Jenes-Geschichte aufzuschreiben…
Bis bald… ;-)
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