Archiv für Juni 2009

Hasi, alte Damen und das Zugefallene

Heute war wieder mal ein Tag der Ausflüge. Das Resultat habe ich vorerst nur als Malerei, die Geschichte dazu kommt später.

Heute dagegen, ist der Tag des Nachtdienstes ;-) So kann ich es mir leisten, ein paar schöne Geschichten doch noch zu erzählen. Ich werde sie später, irgendwann mal – sicher gut gebrauchen können… Jetzt und heute möchte ich sie erst einmal teilen und damit auch in Erinnerung behalten. Weil sie schön sind. Menschlich. Lebendig. Glückliche Geschichten. Meine Geschichten. Aber auch die Geschichten anderer Menschen. Menschen, die mir oder Ihnen völlig unbekannt sind. Und dennoch macht es nichts. Aber es macht – etwas aus. Auch mich und mein Leben. Und damit auch diese kleine Geschichte in einem Blog…

Ich fange am Besten mit den Bildern an. An und für sich gäbe es nicht viel zu erzählen. Blumen halt, mit ein paar Regentropfen von der letzten Nacht als nette Zugabe für den Betrachter und für meine flinke Augen. Ein Eichhörnchen. Das erste Wort einer Frau, das sie in Deutsch gelernt hat. Sinnbild für das Horten. Essen. Flüchten. Springen von Baum zu Baum. Nett anzuschauen, aber immer unsicher, ständig auf der Hut, auf der Flucht… Ach, nicht so wichtig… Dennoch denke ich bei diesen Bildern und Begegnungen auch an so etwas. Ich denke viel nach. Manchmal auch wirklich zu viel ;-) Aber auch aus solchen Geschichten entstehen Bilder. Und wiederum aus solchen Bildern neue Geschichten. Für dieses Eichhörnchen unten (übrigens eines von 7 Stück, das ich an diesem Tag auf dem Melaten gesichtet und abgelichtet habe) habe ich in meinem Lieblingssupermarkt extra ein Tütchen Studentenfutter gekauft. Und nicht nur das. In drei Anläufen auf verschiedenen Stellen des Friedhofes habe ich je drei Serien von Bildern geschossen. Um genau zu sein – 42 Bilder. Auch nicht so wichtig. Auch an Eichhörnchen denke ich, während ich mich für die nächste Tour auf dem Melaten vorbereite. Und habe Spass dabei. Und was für einen! Nicht nur beim Denken. An diesem Tag auf dem Friedhof war ich wieder ein Kind. Riesengrosse Augen, als mir das erste Eichhörnchen vor das Fahrrad lief. Kamera im Anschlag, Tütchen aufgerissen, wollte ja teilen… Denkste… Beim ersten Rascheln des Lockmittels war es weg. Flink, die lieben Kleinen… Auch nicht so wichtig… Dachte ich. Und fuhr weiter im Schritttempo über den Friedhof. Machte meine Bilder, lebte das Kind in mir aus. War glücklich. Und wurde es noch mehr, als mich das nächste Duo begrüßte. Sie wissen schon… Kamera im Anschlag, Tütchen war schon auf, meine Schritte immer leiser. Nur mein Herz pochte immer und immer lauter. Nur so am Rande… Ich als Eiland habe die kleinen Viecher in Natura noch nie gesehen. Das erste Mal hier in Deutschland. Vorsichtig die ersten Nüsse zugeworfen… Nichts passierte. Ausser dass sie flink sind, sind sie auch noch klein und schlau. Schade nur, dass sie ein Neutrum sind :-) Und so spielten wir miteinander ein fast nie endend wollendes Spiel. Die Beiden haben mich verzaubert, wie es sonst nur eine Frau tun kann. Tänzelten hin und her, schauten mich mit genauso großen Augen an, schnappten sich ihr Futter und waren schon bei Eins wieder auf den Bäumen :-) Aber es war lustig. Wirklich. Habe bestimmt etliche Bilder gemacht, auf denen nur der halbe Eichhörnchenkörper zu sehen ist. Die andere Hälfte war schon auf der Flucht. Und nicht dass ich protzen will, aber mein kleines Schwarzes kann im Sportmodus bis zu 10 Bilder pro Sekunde schiessen. Die Schlussfolgerung wäre – entweder bin ich ein langsamer Fotograf oder die sind doch ziemlich schnell… Könnte aber auch Beides zutreffen :-) Zahm waren sie jedenfalls nicht. Und so bin ich wieder weiter gefahren. Aber diese Bilder und das Funkeln in den Augen (sowohl in meinen als auch in den Augen der Tiere) habe ich nicht vergessen. Das Beste kommt noch… Die Unbestechlichen…

Friedhof. Für mich zunehmend ein Ort der Stille und Erholung. Vor allem der Melaten. Unfassbar schön. Faszinierend. Manchmal fühle ich mich wie im Urwald, den keiner zu Ende erforscht hat. Ich entdecke jedes Mal etwas Neues. Neue Details, die Botanik verändert sich, passt sich den Jahreszeiten an, die Skulpturen sehen je nach Tageszeit anders aus, nach dem Regen ist alles noch grünlicher, noch lebendiger, noch schöner… Und ich, Irrer, wollte (als ich endlich Nahaufnahmen mit meiner neuen Kamera machen konnte) damals noch in die Baumärkte fahren oder in die Flora, um Blumenbilder zu schiessen. Seit ich Melatenfriedhof kenne und meine Augen noch öfter und besser offenhalte… Es gibt keinen Blumenladen, keinen Baumarkt, keinen noch so schönen Naturgarten auf der Welt (geschweige denn in Köln), wo man bessere Bilder von Blumen machen könnte, als auf einem Friedhof. Gerade dort. Ein Ort des Todes, des Leides und der Trauer. Gerade dort ging mir irgendwann auch dieses Licht auf. Reiht sich alles auf. Und an. Auch dieses Lied von Frau Williams über Schnee im Juni. In dem sie, unter anderem, auch darüber singt, dass manche Sachen, nach denen wir suchen, nicht mehr suchen müssten, wenn wir sie nur sehen/erkennen könnten/würden. Inmitten eines so traurigen, trostlosen Ortes sehe ich mittlerweile auch, wie grün und schön das Leben ist. Die Natur. Auch im Winter. Und wie wunderschön eigentlich Blumen sind. Gerade an so einem Ort. Und wenn noch etwas Regen dazu kommt… Glücklicher Hasi :-) Ein bunter Friedhof voller Leben und zwei Kameras voller Bilder. Ein Tag und 1100 Mal Glück. Und eine kleine Geschichte als nette Zugabe…

Dieser Tag war voller Zugaben. Die Eichhörnchen waren nur ein Teil davon. Im letzten Drittel meines Ausfluges hatte ich dann wieder eine Eichhörnchen Begegnung. Das Beste zum Schluss…

Ich ruhte mich kurz auf einer der unzähligen Friedhofsbänken aus, nippte gerade an meinem Kaffee und aß die kleine Salatschale vom Vorabend… Da hörte ich plötzlich ganz laute Geräusche, die ich mit Worten gar nicht beschreiben vermag. Irgend ein Ding zwischen Quieken, Fiepen, Stöhnen und Kichern. Die Eichhörnchen waren wieder im Anmarsch. Eine ganze Kolonie! Wahrscheinlich hat die gesammte Famile Eichhörchen am gleichen Tag wie ich Ausflug gemacht :-) Jedenfalls waren (sind) sie – genauso verfressen wie ich. Auf den Punkt genau, als ich meine Plastikgabel in die ersten Salatblätter stechen wollte, kam die ganze Famile zu Besuch. Taten zumindest so als ob. Bemüht haben sie sich ja… Erst nettes Fiepen zur Begrüßung, dann schön aus der Distanz gegenseitig beäugen,  um dann den geordneten Rückzug anzutreten. Wahrscheinlich um so eine Art Eichhörnchen-Familienrat einzuberufen, um weiteres Vorgehen zu besprechen. Die Canon war abermals schon wieder im Anschlag. Sie ist schon Kummer gewöhnt… :-) Nennen Sie mich ruhig bescheuert (ich stehe auch dazu, keine Sorge :-), aber langsam glaube ich, dass die Eichhörnchen diese Legenden der alten Indianer auch gehört haben müssen, dass ein Fotoapparat einem die Seele rauben kann, wenn man ihn fotografiert. Jedenfalls war der Besuch der Eichhörnchen-Horde ziemlich zeitgleich mit dem ersten Klick der Canon schon wieder vorbei. Dann dachte ich wieder an mein Tütchen aus dem Supermarkt. Ich bin ja schon ziemlich vergesslich. Das Gute daran ist, ich kann ja folgend auch nicht nachtragend sein. Aber manche Sachen vergesse ich nie :-) Schon seit dem letzten Besuch des Melatenfriedhofs dachte ich an diese kleine Tierchen und wünschte mir so sehr, wenigstens eines davon im Großformat vor die Linse zu bekommen. Umso größer war in diesem Moment die Enttäuschung. Aber im nächsten Moment dachte ich wieder an diesn Satz… Verliere deine Träume nie aus den Augen. Die kleinen Dinge des Lebens, die dich glücklich machen. Manchmal kann das auch ein Tütchen Studentenfutter sein. Sie flink – ich pfiffig :-) Und so raschelte ich wieder. Fütterte seelenruhig die ausgesuchten Rosinen (nicht nur das Sprichwort, auch die Kombination mit dem Salat hatte es in sich :-) bis das größte Eichhörnchen wieder vom Baum runterflog. Rennen kann ich es nicht mehr nennen. Ihre Geschwindigkeit ist schlicht und einfach unbeschreiblich. Ich hatte kaum die erste Ladung Rosinen im Mund, schon stand das Eichhörnchen neben der Bank und schaute mich mit seinen großen schwarzen Augen an. Als ob sie es mir sagen wollte: „Hey, Alter, schieb mal was ab! Hier gibt´s kein Kindergeld und Supermarkt. Hier tobt das wahre Leben!“ Tote Hose wohl nicht. Zumindest nicht immer :-) Noch ein Grund mehr, bald wieder zum Melaten zu fahren… So kamen die Unbestechlichen immer näher, ich wurde immer mutiger… Zuerst die Haselnüsse. Die waren aber noch schneller weg, als die Eichhörnchen selbst. Und immer wieder das Gleiche… Nüsse zuwerfen, Kamera an, Nüsse geschnappt, Besuch beendet, kein Foto, Lagebesprechung, Anmarsch, Essen To Go und Dr. Eichhorn wieder auf der Flucht… Ich hab mich kaputtgelacht! Und ich hätte weiter lachen können, wenn sich ein Besucherpärchen nicht zufällig in meine Schusslinie verirrt hätte. Zwei junge Leute, umarmt – schauten gespannt und selbst lächelnd unserem tierischen Treiben zu und blieben stehen. Und wie von Gotteshand geführt, kam dann ein Eichhörnchen-Nachbar hinzu. Was dann los war… Höllische Nachbarn wäre wahrscheinlich die passendste Bezeichnung für die nächsten Minuten. Da wird einem im gleichen Atemzug die Bedeutung des Begriffes „Mundraub“ bewusst. Der nicht so fotogene Nachbar wollte unbedingt mit zu Besuch, meine kleinen (fast) Freunde waren dann dermaßen mit der Vertreibung des Eindringlings beschäftigt und erschöpft, dass sie mir immer näher kamen, die Nüsse immer schneller weg waren und der Hunger durch ihre körperliche Betätigung so groß geworden, dass sie mir mittlerweile auf einen Schritt Entfernung kamen. Kölner Eichhörnchen sind definitiv nicht zahm :-) Während das Pärchen immer lauter lachte und Eichhörnchen immer lauter fiepten und miteinander stritten – bin ich in die Knie gegangen. Kamera an und klick, klick, klick…  Gleichgestellt mit Glück, Glück, Glück… Wenn zwei sich streiten… :-) Eichhörnchen beim Füttern (jetzt habe ich den Dreh raus, die Pekanüsse sind die Besten. Zu groß und zu mächtig zum Wegschleppen, zu lecker, um sie nicht zu essen… Gleichbedeutend – auch ein lahmer Hasi hat mit ihnen genügend Zeit um ein Ganzkörper-Eichhörnchenfoto zu erwischen :-) Man, war ich glücklich!), Fotos auf den Grabsteinen, auf dem Baumstamm, während sie wegflitzten, auf dem Ast, beim Essen fast in meiner Reichweite, quasi in die Linse atmend… Herrlich! Und erst dann, als ich alle meine Bilder im Kasten hatte, ging auch dieses Pärchen an uns vorbei und lachte. Ganz laut. Alle Beide. Auf dem Friedhof!

Einige Zeit später war ich so… Hmm… Wie soll ich es erklären? Gleichzeitig aufgeregt, zufrieden und ruhig, dass ich mir für jedes einzelne Foto, das ich (meistens) von den Engelstatuen richtig Zeit genommen hatte. Ich war so von diesen Momenten mit den Puschelschwänzchen bewegt, dass ich diese Ruhe einfach genießen musste. Nicht so wie sonst immer – draufhalten und weiter geht´s. Nein, die Zeit, die man sich für ein Foto nimmt… Erst sie macht aus einem Bild ein halbes Kunstwerk. Auch das lerne ich noch :-) Und so bin ich mal Nicht-Üblicher-Weise auch hinter die Statuen gegangen, hing halb in den Büschen herum, ging in die Hocke, legte mich auch manchmal auf die Erde… Ruhe spüren und genießen. Betende Hände. Klinik. Wieder neue Geschichten… Ein andernmal, vielleicht… :-)

Und so lag ich bei dieser riesengroßen Statue unten im Grass… Voll konzentriert, Ruhe, ruhige Hände, Motiv anvisiert, erst nur das linke Auge zu, dann auch das rechte, einatmen, nicht wackeln, ganz ruhig, gleich macht es „Klick“… Auf einmal macht es „Tipp“. Mir auf der Schulter. Wenn ich nicht so ein Ruhiger wäre und nicht so ein schönes Hobby hätte – wäre ich wie von der Tarantel gestochen aufgestanden und hätte der Person in diesem Moment eine reingehauen :-) Aufgestanden bin ich trotzdem. Eher erschrocken und überrascht. Charly würde sagen: Zugefallen. Eher angetippt. Da stand es vor mir. Ein Kind von einer älteren Dame. Spiegel meiner Seele. Ein Mensch, den ich vermutlich zum ersten und zum letzten Mal in meinem Leben gesehen habe. Aber diese glänzende Augen waren die gleichen, die ich an diesem Tag hatte, die gleichen, aller 7 Eichhörnchen… Neugierde, Freude, Offenheit, Vertrauen… Herz eines alten Menschen, dem sein Leben und Gebrechlichkeit im Gesicht geschrieben standen. Aber die Augen, das waren die Augen eines Kindes. Und das, was sie sagte – erinnerte mich wieder an die letzten Wochen. An ein Gespräch mit Määh-Lena über die Zeit nach der Klinik, an ein Gespräch mit einer Borderlinerin, die momentan auch unter einer Schreibwut leidet… Leben, Glücklichsein, Schreiben, das machen, wofür man bestimmt ist, was einem Spaß macht, Träume, Augen, nicht aus den Augen verlieren, Kind bleiben… Das alles schoss mir durch den Kopf, als ich diese alte Frau vor mir sah. Und noch mehr davon, als sie wieder fortging. Sie stellte mir anfangs nur eine einzige Frage. Das danach war nur Smaltalk. Etwas Menschlichkeit und Wärme. Ein paar „Floskeln“ über das schöne Wetter für das Fotografieren. Meine Antworten darauf, es sei wenigstens nicht so heiß, ich mache die Fotos für mich, privat… Aber ein Satz… Einer der Sätze, die für immer hängen bleiben. Vielleicht auch einer von denen, die dein Leben für immer verändern. Oder zumindest noch mehr in die richtige Richtung lenken ;-) „Schreiben Sie ein Buch?“ Hallo?!? Kamera… Fotos… Liegstu… Knippstu… Woher sollte sie es wissen? Warum gerade diese Frage? Warum gerade ich? Hätte ich nicht vorher auf der Erde gelegen, wäre ich… Auch so hat mich dieser Satz umgehauen. Es wird langsam an der Zeit… Eines bin ich mir sicher: Charly kenne ich auch nicht. Der Glaube an Gott und Zugefallenes hält sich bei mir noch im gesunden Rahmen. Aber diese Begegnung wird nicht nur ein Lesezeichen und ein Artikel in meinem Blog bleiben. Mehr Zeichen brauche ich nicht…

Die letzte Zugabe dieses 10-Stunden-Tages war noch eine Begegnung mit zwei weiteren älteren Damen. Sie suchten den Sensenmann. Und fragten ausgerechnet mich, wahrscheinlich weit und breit den einzigen kroatischen Einwanderer nach der Wegbeschreibung zu ihm. Aber ich hatte einen Plan. Meinen Plan vom Glück :-) Einen schon ziemlich mitgenommenen DIN A4 Lageplan des Friedhofs aus dem Internet. Zugefallen oder nicht, diese Statue war mein letztes Ziel für diesen Tag. Die beiden Damen suchten genau das Gleiche wie ich. Zum Glück habe ich mich vorher im Internet über die Lage der Statue kundig gemacht und so dürfte ich die Beiden mit meinem Fahrrad herumlotsen. Und wieder diese so kostbare Menschlichkeit… Dankbarkeit, Funkeln der Augen, Reden… Irgendwann trafen wir uns wieder an der Statue. Macht nachdenklich… Gerade dann, wenn man die Sanduhr entdeckt. So unscheinbar sie auch sein mag in der Gesamtheit so eines schönen Werkes. Sie ist unermüdlich. Meine Finger noch lange nicht. Ich weiß, wo meine Rosinen sind.

Bis bald… ;-)

Hab dich!

Die Unbestechlichen

6

6

Engel sanft

Engel sanft

Der Sensemann

Der Sensenmann vom Melatenfriedhof

Im Gedenken an Anne Frank

Am heutigen Tag hätte Anne Frank ihren 80. Geburtstag gefeiert. Ihre Geschichte habe ich mit 9 zum 1. Mal gelesen. Ein Buchgeschenk meiner Mutter. Und eine Geschichte, die ins Mark geht. Die Zeiten des 2. Weltkrieges, Verfolgung der Juden und Leben in Angst vor den Nazis. Die Geschichte eines Mädchens, das durch ihr Tagebuch auf tragischer Weise weltberühmt wurde. Das Schicksal eines kleinen Menschen während eines schrecklichen Krieges und das Leben in einem Amsterdamer Versteck mit 7 anderen Personen in einer 50qm grossen Wohnung über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Was mich ausser der Geschichte selbst fasziniert hat, war Annes Reife, ihre Gedanken und die wundervolle Schreibkunst, mit der sie sie zum Ausdruck brachte. Etwas so Schönes, das mich über 30 Jahre begleitete, selbst prägte und sehr, sehr lange mein Lieblingsbuch war. Dieser Artikel ist mein kleines Lesezeichen für Anne Frank. Auch ihr Leben und ihr Tod waren nicht umsonst…

Dank je wel, Anne!

Wikipedia über Anne Frank

Der Super-Gau

Die Datei an sich ist auch eine Sau :-) Es ist schon über ein Jahr her, dass mir mein Blade-Server schön abgestürzt ist. Tausende von Bildern, Entwürfe für Websites, meine fast ganze Musiksammlung, Briefe und Dokumente… Alles verschwunden. So lernt man auch das Wort „Backup“ kennen. Leider erst hinterher ;-) Wichtig, weil mit unter Bilder von mir dabei waren, die ganzen Kroatien-Bilder, ohne die diese Seite für mich nur halb so viel wert gewesen wäre, Bilder meiner Familie, Briefe meiner Freunde… Und all das nur deswegen, weil ich der damals noch gesunden Kollegin etwas Gutes tun und ich etwas eher zum Nachtdienst fahren wollte, obwohl ich gerade dabei war, das liebe, alte XP auf dem PC zu installieren. Leider habe ich dabei vergessen, dass der Server noch am Netz war… Somit hat er in dieser Nacht ungewollt auch das neue Betriebssystem verpasst bekommen und am nächsten Morgen waren alle Dateien, damals ca. 4 TB – einfach weg. Keine Wiederherstellung möglich, weil neues System draufgespielt, mit dem Papierkorb war auch nichts zu machen… Bis heute :-)

Dank Computerzeitschriften, die ich mir ab und an beim Einkauf im Supermarkt anschaue, kam die Rettung. Ganz zufällig (und wieder mal für kleines Geld :-) sah ich damals eine im Regal, die nichts verprach. Unscheinbar, nur ein kleiner Titel, ganz unten im Regal versteckt, glanzlos und ohne viel Beschreibung. Dafür aber mit CD drin. Vollversion, die im Laden noch vor einem Jahr 300 Ocken gekostet hätte. Recovery so und so :-) Simpel in Bedienung, ohne viel Schnickschnack… Erwähne es deswegen, weil ich noch vor ein paar Tagen bei den öffentlich-rechtlichen eine Sendung aufgeschnappt habe, die über die Abzocke mit der Datenrettung berichtete. Zu teuer, meistens erfolglos… Ähnlich wie bei mir. Irgendwann mal eine extra CD dafür gekauft, etliche Rettungsprogramme aus dem Internet heruntergeladen… Haben auch nur ganz wenig geholfen. Zwar waren einige Daten wieder da, jedoch ohne Namen, im anderen Format, nicht vollständig, defekt… So konnte ich aber wenigstens meine Fontsammlung (PC-Schriftarten) retten und mühsam etwa 80.000 Schriften rekonstruieren. Danach dürfte ich auch jede Schrift einzeln umbenennen, damit sie überhaupt wieder funktioniert. Der Rest war, nach wie vor – weg. Und so kam der besagte Supermarkteinkauf. Kann mich noch erinnern… Hatte Heißhunger auf Pepsi und Pizza vom Chefarzt Oetker… :-) Und da sah ich diese Zeitschrift und nahm sie mit. Sie gammelte schon recht lange neben dem PC vor sich her, weil ich mal wieder Angst vor Enttäuschung hatte, befürchtet habe, dass die ganze Wiederherstellung sicher nicht nur eine Stunde dauern würde, wie bei den meisten anderen Programmen, vielleicht genauso „erfolgreich“ sein wird wie die, die ich schon ausprobiert habe… Aber vergessen habe ich sie nie. Nie aus den Augen verlieren, die Träume :-) Hört sich blöd an, ich weiß. Wer nennt so einen Super-Gau einen „Traum“? Tja… Wenn es so ist wie heute, wenn irgendwo bei jedem von uns ein Teil seines Lebens auf den Festplatten schlummert… Dann kann ich es auch Traum nennen :-) Nachdem ich alle Programme nacheinander durch hatte und die Resultate für die Katz`waren, war diese unscheinbare Zeitschrift meine letzte Hoffnung. Und so kam irgendwann auch die richtige Gelegenheit für die Sauarbeit. In der Pause zwischen zwei Arbeitstagen habe ich meine ganze tolle, zuverlässige und glücklichmachende Technik wieder angeschmissen, miteinander verbunden, meinen treuen, tollen Vaio mit der CD gefüttert… Was für ein Traum! Ganze 35 Stunden Dauerbetrieb, Server und 2 externe Festplatten… Ich dachte: Lieber Gott, die Dateien sind eh weg, lass wenigstens nicht zu, dass meine ganze, teure PC-Landschaft aus Überhitzung auch noch kaputtgeht! Es hat geholfen :-) In dieser Nacht wurden über 30 Mio. Dateien, bis auf die letzte – alle wiederbelebt. Alle. Auch die gespeicherten Internetseiten mit den Unterordnern, sogar mein Surfverlauf und Favoriten von diesem Gau-Tag. Und die Moral von der Geschicht`? Einmal mehr: Die besten Sachen im Leben sind (fast) umsonst :-)

Bis bald… :-)

Snow in June

Sometimes the snow comes down in June
Sometimes the sun goes ’round the moon
I see the passion in your eyes
Sometimes it’s all a big surprise

So ähnlich geht es mir heute. Als ob ich es geahnt hätte. Ganz spezielle Nacht. War sie auch. Gestern noch bei Tage, sprach ich mit jemandem darüber, wie faszinierend ich (unter anderem) betende Hände auf Friedhöfen finde. Es gibt sie auf fast jedem 10. Grabstein. Egal auf welchem Friedhof man sich in Köln befindet. So viele Arten von Händen… Aus Bronze, aus Silber, im Stein gemeiselt, als Skulptur, als Zeichnung… In vielen Formen und Grössen, in vielen Farben, mit verschiedenen Details…

Und so machte ich mich, nichts ahnend – auf den Weg zu meinem Nachtdienst. Etwa zwei Stunden später… Ich erzähle es einfach, ganz kurz :-)

Das Thema Friedhof, seine Ruhe, schöne Fotomotive und Stille inmitten einer Grossstadt  mag ich einfach. Zwischen Leben und Tod. Für mich – doch etwas mehr Leben :-) Gerade seit einem Monat  so sehr – nachdem ich zum wiederholten Mal den wunderschönen Melaten besuchte. So gewaltig, so gross, mit so vielen Skulpturen, dass ich mich gedanklich auch im Nachtdienst damit beschäftigt habe, um mich irgendwie weiter wach, fit und glücklich fühlen zu können, trotz der langen, wachen Stunden auf meiner Arbeit. So erfuhr ich, Dank Internet auch, dass es in dieser Stadt fast 40 verschiedene Friedhöfe gibt, von der Fläche her teilweise noch grösser als der Melatenfriedhof selbst. Neugierig wie ich bin, fasste ich den Entschluss, irgendwann auch diese zu besuchen. Ich dachte eben, den grössten und schönsten habe ich schon gesehen. So kann man sich irren ;-) Nicht nur die Ruhe finde ich dort so toll. Auch so viele Geschichten, so viel Leben, Grün. Und so viele Gedanken über das Leben an sich, die einem durch den Kopf gehen, während man über diese Friedhöfe geht. Wohin man geht, wieviel Zeit bleibt uns noch hier übrig… Die Faszination über diese betenden Hände kam von ganz alleine. Plötzlich und genauso still. Sie war einfach da. Ein immer wiederkehrendes Detail. Hoffnung, Glaube… Gleich und dennoch unterschiedlich, jedes Paar ist anders. Ein Paar, etwas, was nur wir Menschen besitzen – Kreativität, Arbeit, Berührung, Fühlen, Festhalten, Stärke, Wärme, Zeichen des Alters, ihre Lebendigkeit… Und weiß Gott, was noch alles. Es gibt vieles, was man über Hände sagen könnte und was wir noch alles mit unseren Händen im Leben so anstellen… :-) Beten können sie auch. Stehen ruhig einander gegenüber, strahlen Frieden und Ruhe aus, harren für einen Moment aus und denken mit uns zusammen nach. Sprechen ein Gebet. Ganz still. Unbeweglich. Zwei so lebendige Dinger erstarren einfach in ihrer Demut. Alleine dieser Gedanke hat mir schon gereicht, um mich für die nächste Tour zu entscheiden :-) Betend, dass ich mit dem Wetter nächste Woche Glück habe :-)

Mit all diesen Gedanken, nachdem ich sie auch Häschen erzählte – fuhr ich zum Nachtdienst. Einige Zeit später hatte ich Gänsehaut. Da kommt ein Patient herein und bittet mich darum, sein Rücken einzureiben. Rückenschmerzen. Ähnliches Leid wie ich. OK, sagte ich… Er zog sein T-Shirt hoch und in dem Moment sah ich – betende Hände! Ein recht grosses Tatoo eben dieser Hände auf seinem Rücken. Dieselben Hände, die mich zwei Tage lang nicht mehr in Ruhe lassen. Nach anfänglicher Sprachlosigkeit und kurzen Gedanken über Vorsehung, Zufälle und sonstigem Kram, die mir im ganzen Zusammenhang in dem Moment durch den Kopf schossen (der beste Gedanke dabei war wieder mein altbekanntes und unvermeidliches „Nichts geschieht ohne Grund.“), schaute ich mir diese Hände an, diesen Rücken… Wie der „Zufall“ so will, kamen wir auch ins Gespräch, von wegen Friedhöfe, Fotos, Glaube, Hoffnung und so… Als ich ihm dann erzählt habe, warum ich diese Hände so toll finde – kam der Hammer. Seine Antwort war: „Bestimmt deswegen, weil Sie dort so viel Ruhe finden.“ Ja, ja… Die Zufälle ;-) Ein Mensch, den ich kaum kenne, seinen Rücken sowieso nicht, obwohl er schon seit fast vier Wochen bei uns ist… Und ich kriege von ihm genau DIE Antwort, die es in einem einzigen Moment auf den Punkt bringt. Das Ganze auf den Punkt bringt. In der Stille der Nacht. Das, wofür ich eigentlich all diese Friedhofstouren mache und noch weiter machen will. Mit meinen schönen, hoffnungsvollen und oft zu unruhigen Händen…

Manchmal schneit es im Juni. Und manch eine Leidenschaft kann eine riesige Überraschung mit sich bringen. Bis bald… :-)

Betende Hände

Betende Hände


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HIER WIRD GETWITTERT ;-)

  • Zurück aus Berlin. Liebe(s)-Urlaub mit 5Sternen. Nicht viel von der Stadt gesehen,dafür nur Augen für einen Menschen gehabt.Du bist klasse! 3 weeks ago
  • denkt (heute umso mehr) beim 1.Kaffee darüber nach, was er hat und grinst sich einen. Laute Geschenke. Menschen,die man nie vergisst... 2 months ago
  • Ein heißer Aldi-Kaffee, Aufwachen mit liebevollen Gedanken, die später ihren Zettel fanden-ergeben 1neuen,sonnigen Tag in K. Trotz Regen. 2 months ago
  • Findet kurzes Nickerchen nach 3Frühdiensten voll in Ordnung. Friseurbesuche von Frauen nach Feierabend auch.Danach sehen beide toll aus:-)) 2 months ago
  • @DanielPalm Gute Besserung! Nicht nur von Berufs wegen ;-) So lange Du nicht beim Husten quiekst :-X Steife Brise war´s. Bestimmt :-) 2 months ago
  • Schon toll.. Wenn man auch in eigener Stadt Engel hat. Früher Hasi fängt die Flügel... (Kroatische Wortwendung :-) 2 months ago
  • genießt das Grau in Köln.Mal wieder;)Dafür mit Abwechslung.Heute mit Kerzen und Senseo.Frühstück followe ich auch gleich.Schnupper-es.de :-P 2 months ago
  • weiß, was er hat... Noch bekommen wird... Und bemüht sich, das alles zu erhalten... Auch hier sei gesagt:Wie gut,dass es Zettel gibt ;-) 2 months ago

 

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