O du Berlin, du helle Stadt, du Tier
Du triffst mich mit deinen Lichtern wie mit zuckender Peitsche
Ach, wenn man nachts durch deine Hüften fließt, zu dir
Deinen schönen Frauen nach, den Blonden, den Runden
So betrunken wird man von der Schönheit und von deinen Sünden
Den Himmel schleiern die Oktoberwolken, Herbst auf seinen grauen Sohlen
Als schon die Nacht über deinen Turm hereinbricht
Leuchten noch die Augen, zwei glühend braune Kohlen
Bald muss ich gehen, mein Berlin
Muss wieder in meine Stadt ziehen
Bald werde ich an schnellen Wasserufern sitzen
In ihren Sanden deinen Namen ritzen
Leb wohl, Berlin, mit deinen goldenen Feuern
Lebt wohl, ihr Gassen voll von unseren Abenteuern
Wer hat wie ich von eurer Lust gewusst
O Tore, o Mauern, ich drück euch an die Brust
In einer fernen Stadt zähle ich die Tage für uns beide
Kahl sind meine Bäume in diesem kalten Nebel aus Seide
Du, mein Berlin, mein böses Mädchen, meine Sucht, meine große Liebe
Für dich, ganz ehrlich, wurde ich zum Diebe
Was ist schon Stillstand? Reichtum? Glück? Der Klang einer Geige?
Angst! Hase! Deinertwegen feige!
Reisen, Gehen und Wege, die ich am liebsten meide
Nur wer deine Liebe kennt, Berlin, weiß, wofür ich leide
Von mir ;-) In lieber Erinnerung an Alfred Lichtenstein und seine Oden an Berlin
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