Tweet, tweet! Da ist er wieder! Der verrückte Träumer. Heute in Kurzfassung (hinterher ist man immer klüger), weil ich Hunger habe und total müde bin. Urlaub schlaucht ;-) Frisch aus Berlin. Mit frischen Träumen, die wir im ICE nach Köln lebendig und friedlich miteinander ausdiskutierten. Träume, die in dieser Woche Wirklichkeit werden. Nur dieses Jahr – ohne Countdown. Sonst müsste ich jeden Tag mindestens 5 Artikel schreiben. Da werden wieder Erinnerungen wach… An das letzte Jahr und an meinen Hai, der mittlerweile jedes Mal mit mir zusammenfährt, wenn ich Lust auf Fotos bekomme. Noch ein Unzertrennlicher. Hätte ich das bloß eher geahnt ;-) Nein, konnte ich nicht. Die Liebe zum Fotografieren hat sich einfach so entwickeln müssen. Auch sie hat ihre Zeit gebraucht ;-) Zeit, die ich früher nie “hatte”. Zeit ist schon ein seltsamer Zeitgenosse…
Und ich bin es auch. War ich schon immer. Hühnchen würde jetzt bestimmt ein jubelndes “Na, macht ja nichts!” ausstoßen. Wenn sie frei wäre und sich gehen lassen könnte… Kontrolle ist nicht gleich Kontrolle… Doch, macht schon was. Aus. Und vorbei. Ähnlich wie meine Berliner Reisen, Menschen, die wir dort trafen – geht irgendwann alles Schöne vorbei, wenn man nicht zu träumen fähig ist. Reiht sich (mit voller Absicht ;-) schön mit dem vorherigen Artikel aneinander. Beziehungen gehen vorüber, wenn keine Leidenschaft mehr zu verspüren ist. Rosen verwelken eher man’s sich versieht. Details und Erinnerungen verschwimmen mit dem Vergessen der vergangenen Zeit. Die Zeit aber, sie rennt. Immer und immer schneller. Und wir versuchen alles, um sie aufzuhalten. Ich hab’s nicht erfunden. Das waren bestimmt wieder die Schweizer. Für meinen Teil, den eines Kindes in mir, musste ich auch das lernen. Mit der Zeit umzugehen. Auch wenn ich anfangs ein großer Feind von ihr war. Heute bin ich es nicht mehr. Ruhiger geworden. Älter. Bedachter. Friedlicher. Auch seltsamer. Dafür aber – ticken meine Uhren jetzt anders. Und ich glaube (bevor mir hier jemand noch irgendetwas versucht, zu unterstellen) – sie ticken heute richtiger. Statt nach schweizer Kunst – nach meinem Herzen. Das habe ich zwar auch nicht erfunden, ich habe es aber geschenkt bekommen. Und da wäre ich wieder beim Thema “Geben und Nehmen”. Kreise, die sich schließen. Gerade in diesem Monat. Ein Herz – das möchte gut behandelt werden. Mit Bedacht. Es wird auch immer älter. Damit es noch lange weiterhüpft. Glücklich, liebend, mal pochend, mal tickend… Jahre der Liebe, Monate des Todes, Leben und leben lassen… Alles vermischt sich in diesem April. Für mich – einmal mehr. Ein weiteres, durchaus sehr glückliches Jahr. Glück auf Kalenderblättern, wie Glück auf den bunten Blättern der Blumen, die ich durch meine Augen betrachte. Augen, die manchmal einfach nur blau sind. Oder aus Glas. Manchmal auch blau und glasig. Tropfen, Wasser und Salz vermischen sich manchmal auch alle miteinander. Wie wir Menschen. Wie Erinnerungen. Wie Gezeiten. Wie Lachen und Tränen. Wie Träume und Wirklichkeit. Wie Pop und Klassik. Und das ist gut so! Wenn es nicht so wäre, würde ich auch nie wieder fotografieren. Nie wieder lieben. Nie wieder weinen, lächeln können… Und, so Gott mir helfe, werde ich es immer wieder tun! Heute habe ich es auch getan. Mein Tag ist gerade 14 Stunden alt und es war alles davon drin! Alles!! Bei diesen Spots unten musste ich weinen. Lachen – zum Glück – war, wie gewohnt, heute viel öfter dran. Und mein Herz, meine Finger und Sie, liebe Leser – müssen das jetzt alles aushalten ;-) “Wie lange noch?” mag sich der eine oder andere von Ihnen sicherlich fragen. Katrin zum Beispiel. Maja… Meine Kollegen – ganz bestimmt. Solche Fragen mag ich nicht beantworten. Wäre nicht mehr mein Stil. Zeit ist für mich so etwas, was Relativitätstheorie für Albert war: Zunge ausstrecken und lustiges Gesicht machen, wenn dich jemand nach ihr fragt. Wie gesagt, meine Definition der Zeit und der Antwort auf die Frage “Wie lange noch?” Jetzt spüre ich – gerade lächelt auch jemand vom Himmel herab, während ich diese Zeilen schreibe… Blut ist keine Träne.
Als meine Mutter damals die Diagnose Krebs bekam, hat sie sich sicher ihre Gedanken über die Zeit, über den Tod und über alles Mögliche gemacht. Hätte sie nicht wirklich gebraucht. Kölner sagen “Et kütt wie et kütt.” dazu. Es kommt, wie es kommt. Eine schreckliche Zeit. Für jeden Menschen, der eine solche Erkrankung durchmachen und gegen sie ankämpfen muss. Und überhaupt – erst einmal verdauen muss. Erst jetzt, Jahre später, erkenne ich, wie ähnlich wir uns sind, waren. Ich mache mir auch gesund – jeden Tag Gedanken über alles Mögliche. Ertappe mich immer und immer wieder dabei. Ich denke an Menschen, die mir so viel bedeuten, an Träume, an Sachen, die ich noch sehen, erreichen und erleben will. Wofür ich noch alles kämpfen muss, ackern muss. Und wozu? Wenn es wirklich Kütt-Maktub ist, kommt auch an diesen Satz von Gedanken irgendwann schlicht und einfach mal – ein Punkt. Und dann ist es auch vorbei. Zeit hin oder her. Gedanken? Ebenso. Alles vergebens. Aber dennoch legitim. Deswegen mache ich mir auch jeden Tag welche. Auch hier. Trage trotzdem eine Armbanduhr und richte mich nach meinem Leben. Versuche, jeden Tag zu etwas Besonderem zu machen. Trotze dem Schicksal, so lange es noch geht. Morgen schon – könnte es zu spät sein. Deswegen nehme ich es auch so gelassen. Weil ich es so gelernt habe. Man kann es so oder so sehen, wie alles. Nur ändern kann man es nicht. Sein eigenes Schicksal ja, das Ende davon jedoch nicht. Ich betrachte diese eine Lektion meiner Mutter als die Richtige. Ich sah ihr zu. Schon Monate vor dem Eingriff, als es bereits klar war, dass sie ihre Stimme verlieren würde – lachte sie so schön und so laut, wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Sagte ganz offen (und erstmal ganz ernst, nur bis sie den Satz zu Ende gesprochen hatte. Danach gab es nur noch Gelächter) “Wenn ihr Dummheiten macht oder erzählt und ich nicht mehr laut mit euch schimpfen kann, guckt ab und zu mal unter den Tisch und auf meine Hand. Wenn der Mittelfinger erst einmal hochgeht, brauch ich dann sowieso nichts mehr zu sagen. Da könnt ihr auch – nur noch gucken.” Ja, so war sie. Die Gute. Alte Zeit. Ich erinnere mich gerne an sie. Ein bisschen aus Sehnsucht, vielmehr aber deshalb, weil mir diese Zeit als Menschen am meisten gebracht hat. Das meiste an Gutem, was mich heute ausmacht. Die Zeit des Lernens. Mit 33 Jahren. Aber auch diese Zeit hat sich gelohnt. Gleichwohl, wie schrecklich sie für uns alle war. Dieses Fröhliche, diese Lebensweise- und Weisheiten von damals sind dieselben Sachen, die mich heute immer noch begleiten. In meine eigene Zukunft, mit meinem eigenen Schicksal. Das, wofür Mütter stehen, wenn sie Kinder bekommen. Träume und kleine Träumer, die irgendwann alle groß werden. Mit etwas Glück auch alt, und die irgendwann trotzdem alle wieder gehen müssen, wenn die Vorstellung und großes Kino zu Ende ist. Nina, noch ein Mensch, den ich immer so gerne hatte, würde an dieser Stelle jetzt auch losbrüllen. “Da mähste nix!”. Gleichgesinnte. Ein Thema für sich. Vielleicht für die nächsten Artikel… ;-) Ein Stück davon schreibe ich aber jetzt schon mal nieder. Erinnerungen. Seele, die gerade wieder wandelt und wandert… Während draußen wieder die Dunkelheit über die in Blau eingetauchte Stadt hereinbricht. Die Zeit der Jäger. Ruhe vor dem Sturm der Blitzlichtgewitter… Und noch mehr Erinnerungen. Auch an ihn. Mein Engel Nummer 2. Mein lieber Bruder.
Jemand der ähnlich wie ich selbst, ein Knipser war. Ein glücklicher Jäger mit einem guten Händchen und mit dem Blick für das Schöne. Auch ihm habe ich unheimlich viel zu verdanken. Deswegen sitze ich heute hier. Schreibe. Konnte er auch – sehr gut! Sogar verheiratet und mit 52 Jahren konnte er noch mit seinen Briefen eine Frau um den Verstand bringen. Gefühlsmensch. Maler. Jemand der kistenweise (und ich meine nicht Tupperware! Richtige Umzugskartons damals) Bilder gemacht hat. Eine Kamera, in den noch analogen Zeiten (tick-tack, scheißegal, heute isses eben digital), immer und überall mit sich trug. Mein “Lehrer”, der er nie sein konnte. Zwar hatte ich zum 1. Mal in meinem Leben eine Kamera in den Händen halten durfen, die ihm gehörte, jedoch kamen wir nie wirklich über dieses Thema länger ins Gespräch. Schon seltsam, wie sich das Leben manchmal entwickelt… Nie war es richtig, die Zeit war dafür nie wirklich da… Sie wissen schon… Relativitätstheorie. Auch das war – nur relativ. Es gab Wichtigeres. Immer was zu tun, junge Menschen, Mädels, Schule, Studium, das Leben an sich, mehr Tun als Reden… Das wirklich Schöne, das hat der Sack für sich behalten ;-) Er hat auch seine damalige Freundin und spätere Ehefrau gefühlte 1 Million Male abgelichtet. Voller Stolz. Und Liebe. Und statt uns Jüngeren zu erzählen, wie “so etwas geht”, hat er alleine sie 11 lange Jahre hecheln lassen (und uns sowieso), bevor er sie dann endlich zum Altar schleppte. Und noch einige mehr, die unsterblich in ihn verliebt waren, nur weil er so war, wie er war. Liebend und leidenschaftlich in allem, was er tat. 11 Jahre des Wartens, in denen er die allerbesten Bilder von ihr gemacht hat. Bilder voller Sehnsucht und Liebe, nackte Wahrheiten, die jeder Zeit dieser Welt ohnehin getrotzt hätten. Zeitlos und Zusammensein. Ich durfte damals jedes einzelne Bild von ihm sehen. Abzüge, Dias, Negative – alles! Aber die Entstehung davon hat er mir nie erklärt. Das war wohl sein Lebensgeheimnis. Im Gegenteil! Statt es mir zu erklären, hat er mich laufen lassen. Damals war nichts mit Luxus und Shoppen und so. Sozialismus hatte auch seine Vorteile. Zumindest konnten wir alle mit Geld umgehen ;-) Stattdessen, um seine Leidenschaft fortführen zu können, hat er mich damit beauftragt (ich war durch meine Ausbildung und mein Studium häufig im Ausland, musste etliche Jahre regelmässig nach Italien), ihm in irgend einem Uni-Kaff in den italienischen Bergen, wo es gerade mal einen Supermarkt und ein Restaurant gab – nach seinen Filmen zu suchen. Nach neuen Objektiven und ihren Preisen zu fragen… Mafiose Strukturen waren harmlos dagegen. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie oft ich das Gesetz gebrochen hatte, um ihm zu helfen. Kein Zoll, kein Einfuhrverbot für solche Sachen waren ihm und mir damals heilig ;-) Sogar in der Unterhose musste ich für ihn einmal ein Objektiv schmuggeln, weil die Zöllner damals auf die Idee kamen, nicht nur unser Gepäck, auch mal unseren Bus komplett auseinander zu nehmen. Er hätte für mich das Gleiche getan, bin ich mir sicher. Irgendwann habe ich auch begriffen, warum er mir nie etwas über die Kunst des Fotografierens erzählt hat. Ich musste es, wenn ich gut werden wollte, selbst herausfinden. Und jetzt sitze ich heute hier und frage mich… Nichts mehr. Maktub, das schöne Wörtchen… ;-)
Ich bin auch – nur einer von uns. Die blutroten Flüsse. Das Einzige und gleichzeitig das Ganze, was mich bewegt. Herzblut für das, was ich tue, wenn ich es liebe. Und so lange es fließt, werden auch Tränen fließen. Mal vor Glück, mal aus Trauer. Leben eben. Wie Bilder. Auch die der Erinnerung. Das Leben ist viel zu bunt, um dass ich mich mit schlechten Erinnerungen länger beschäftige. Auch wenn ich es mal tue – tue ich es nur, damit ich das Gute aus ihnen erhalten kann. Engel und Flügel, Menschen und Fotos, Friedhöfe und Leben, Jugend und Älterwerden, unwissende Vergangenheit und ungewisse Zukunft. Und ein Carpe Diem, das über allem steht. Manchmal wie schützende Flügel über einem, mal wie ein schwebendes Schwert. Das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko, Lernen und Wissen. Ein neues und zugleich ein letztes Thema…
Electric Dreams. Der Titel für heute. Aber zuerst – ein Kaffee ;-)
Fertig. Ich noch nicht. Nutzen und Risiko, (elektrische) Träume und das wahre Leben. Wie passt das alles zusammen? Ich werde es versuchen, zu erklären. Ich schreibe heute über meine Famlie. Weil sie mir wichtig war. Weil sie, mit Liebe zusammen, überhaupt das Wertvollste in einem menschlichen Leben ist. Heute ist diese Familie nicht mehr da. Gegangen. Auseinander. Weit weg. Wie die beiden Menschen, die wie zwei Felsen in der Brandung für uns alle standen. Daran werde ich mindestens einmal im Jahr, immer und immer wieder, erinnert. Sie haben mich als Menschen geprägt, also prägten sie bereits vor Jahren diese meine Zeilen von heute. Mein Leben und mein Schicksal. Dafür wollte ich ihnen heute danken. Einmal mehr. Öffentlich. Für ihre eigene Offenheit und langjährige Güte, auch wenn sie mir – gut gemeint und zu meinem Besten – manchmal Einiges verschwiegen hatten ;-) Kluge und vor allem – glückliche Menschen, die meinen Respekt für das, wie sie waren und was sie für mich taten – immer noch verdienen. Jedes Jahr im April. Spätestens dann. Auch für Träume, die sie mir schenkten. Mal in die Wiege, mal in die Kinderschuhe legten. Ich weiß es zu schätzen. Und ich weiß, sie sind stolz darauf, was sie heute Nacht sehen. Was sie empfinden, wenn ich selbst mal jemandem einen Mittelfinger zeige. Wenn ich eine teuere Kamera in der Hand halte, wenn ich schreibe, wenn ich mich darüber freue… Gelernt ist gelernt.
Heute kann ich sogar mit Blog und Twitter umgehen. Es ist gar nicht sooo lange her… 1998. Mein erstes Jahr in der Klinik. Eine Fortbildung. PC-Kurs für Anfänger und Spätzünder. Eines Tages ist mir auf die Frage des Dozenten nach der Bedeutung des Computers in unserem Leben etwas Gravierendes einfach so rausgerutscht: “Bleistift der Zukunft”. Er war begeistert! Ich bin es heute noch ;-) Auch das wusste und kannte ich damals, in meiner Jugend, nicht. Meine Familie ebenso wenig. Zeit, Schnelle und Entwicklung. Meine ersten Briefe waren noch handgeschrieben. Netzwerk zwischen mir und meinen Flammen hieß damals noch Diary-Book. Oder Telefon. Festnetz. Mit Flatrate, aber nur was Gesprächsdauer betraf. Rechnungen dagegen – sie waren sehr variabel. Mal hoch und mal astronomisch hoch. Dennoch, meinen ersten “PC” hatte ich schon Anno 1985. Italienern sei Dank ;-) 48KB. Eine Word-Datei heute. Und mit dem Speicher lernte ich damals mit 10 Fingern und mit Köpfchen zu schreiben. Bereitete meine Examen auf der Uni damit vor, Zockte mit Kollegen bis in die Morgenstunden, malte zaghaft grobpixelige Bilder. Mehr war nicht drin. Es ist aber gerade dadurch heute viel mehr daraus geworden. Aus dem Bleistift mit Tasten, der heute für mich ein echter Allrounder ist. Arbeitsgerät und Hobby in Einem. Und das alles – nur durchs Lernen. Im Internet war ich fast im gleichen Jahr seiner Einführung dabei. Bibliothek, Kaufhäuser, Cafes… Neugier. Anschauen. Ausprobieren, machen und immer wieder – lernen. Heute, da kann ich mit der Kiste noch viel mehr anstellen. Überwiegend Schönes und Gutes. Nicht nur Fotos. Auch Malereien, Musik, Websiten, Blogs, Gedanken aufschreiben, Zeit abspeichern… Alles, was glücklich machen kann. Ich kann all das entfalten, was in mir steckt. Ähnlich wie dieses Mädchen im Video. Dieses Lächeln, diese Freude und Leidenschaft! Das sieht man ihr auch wirklich an! (Geheimtipp: Minute 2:05! :-) Viele Parallelen mit meiner Kindheit und Familie, mit Träumen und Elektronik. Und mit meinem, recht glücklichen Leben von heute, auch. Auch ein Film hatte seinen Anteil daran. Und Bach. Es war das gleiche Jahrzent. Die guten, wilden 80er. Der Titel meines Artikels heute stammt von diesem Film. Ein Film, ein Liebesdrama, mit einer ordentlichen Portion PC und Zukunftsmusik. Zwei Menschen, die im gleichen Haus wohnten, sich nicht kannten und durch den selbständig gewordenen, Musik liebenden Computer, mithilfe eines Lüftungsschachtes, zueinander gefunden hatten. Ich habe ihn damals fünfmal gesehen. Meine arme Freundin auch ;-) Aber auf diese Musik haben wir damals geknutscht, getanzt, haben uns selbst an das heutige Zeitalter mit unseren “Computern” herangetastet. An uns selbst auch. Geträumt, getwitt… Pardon… telefoniert, gelebt und geliebt.
Die nächste große Unbekannte: Liebe. Auch heute noch – muss ich sie jeden Tag aufs Neue entdecken und immer wieder von ihr lernen. Auch über sie. Und über das alles, was sie im Leben eines Menschen ausmacht. Wenn ich mich ganz weit aus dem Fenster lehne, würde ich sagen – sie macht alles im Leben aus. Aber so verbissen bin ich ja nicht. Nicht das Ticken meiner Uhren vergessen… Über ihren Anteil im Leben könne man streiten, über ihren Stellenwert hingegen – nicht. Und bei mir hat sie seit meiner Jugend auch mit Elektrik, PC und Träumen zu tun gehabt. Dieser Film war sozusagen bei mir der pubertäre Liebesdurchbruch ins digitale Zeitalter. In die Zeit der Kreativität und in die Welt der klassischen Musik. Mein alter, guter Jura-Professor… Ohne ihn… Knisternde Schallplatten, Aida, Nabucco, Mozart… Eine geile Zeit! Auch was Filme betrifft. Passte einfach alles zusammen. Nur noch “Amadeus” habe ich mir zweimal öfter angeschaut. Fast 3 Stunden Knutschen im Kino bei einem einzigen Film – das war es mir definitiv wert. Musik darin erst recht. Die bereits erwähnte Freundin, Mirela hieß sie, hat mich dadurch schon nach 6 Monaten heruntergefahren und nicht mehr neu gebootet. Der Klassiker einer Beziehung, in der einer immer mehr spinnt, als der andere es (v)ertragen kann. Ich meine – wer kann schon einen Teenie, der in 4 Wochen, allein im Kino, ein Mädchen volle 21 Stunden quält und von Kopf bis Fuss abknutscht, aushalten? Ähnlich verhielt es sich mit Fotografie und meinem späteren Dasein als “Mann” und “Erwachsener”. Keine schöne Geschichte… Rückkehr in die analoge Zeit. Andere “Träume”, die in Wirklichkeit nur Flüchte aus der Realität waren. Die Quittung dafür kam relativ schnell. Fast gleichzeitig mit dem besagten April. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Megamix der anderen Art. Und bevor ich jetzt komplett in Gedanken abdrifte, halte ich mich lieber an meine Kamera und an die Gegenwart fest. Auch damals hatte ich eine recht gute Kamera. Vom ersten Gehalt und mithilfe meiner Frau auf Raten gekauft. Auch eine Canone. Zwei Jahre Spass, dann kam der Alltag. Und das gute Stück staubte ein. Bis mir eben diese Frau wieder die Augen öffnete. Der Rest – der war nur noch traumhaft. Wahrhaftig traumhaft und ohne Flüchte. Ich habe wieder Blut geleckt. Digitales Blut. Und auf einmal waren mir Liebe und Glück wieder das Wichtigste auf der Welt. Das Reale verscmelzte mit den Träumen zusammen. Das war das Schöne an diesen ganzen Geschichten. Irgendwann wacht man auf. Wenn man Glück hat. Manchmal ist es ein Traum, manchmal auch ein Albtraum. Aber sie zeigen uns alle – wenn wir aus ihnen Lehren ziehen können – was das wahre Leben tatsächlich ist. Fernab von der digitalen Welt, weit weg von “Ich kenne das nicht” oder (noch schlimmer) “Ich kann das nicht… Bin zu doof dafür… Das kann man nicht gebrauchen…Dafür brauche ich mehr Zeit…” Auch darüber werde ich demnächst schreiben. So bin ich vor dieser Verschmelzung eines Morgens aufgewacht und stand (zwar gut situiert und anscheinend schlau und groß genug) vor dem Nichts. Traumhafte Seifenblasen des Alltages. Einfach nur noch – Leere. Ich und meine verstaubte Canone. Mit jeder Menge Ladehemmungen. Ich musste wieder ganz von vorne anfangen! Ich musste mich ablenken! Langeweile kannte ich eh noch nie! Das Schöne schon. Die alte Bekannte. Auch dieses gute Gefühl, etwas aus sich zu machen, kreativ zu sein. Damit der Alltag wieder besser klappt, damit man wieder darin Freude findet, sich durch seine Hobbies wieder erholt und wieder… Alles von vorne. Quadratur des sich schließenden Kreises. Etwas tun, was man auch wirklich liebt, wenn sonst keine Liebe mehr da ist. Und so bin ich nur einige Tage später in den Elektronikfachmarkt und habe mir den Renner des Jahres 2003 geholt. Einen 4 MP-Ziegelstein von Pentax. Und mögen Sie jetzt denken, was immer Sie wollen… Ich weiß es ohnehin schon – ich BIN verrückt! ;-) Dieses kleine, klobige Ding hat mir geholfen, wieder träumen und lieben zu können! Und das tut es, wenn auch nur in Gedanken, heute noch. So wie meine zwei Engel, die gestern bestimmt ihre beiden Zeigefinger über ihre Engel-Schläfen haben kreisen lassen. Und sie kannten mich von klein auf. Sie, meine Leser – sie nicht ;-) Meine Beiden, sie wissen ganz bestimmt das, was ich heute – nach einiger Jahrzenten Erfahrung – auch weiß: für Liebe würde ich sterben. Berge erklimmen. Noch verrückter werden. Auf Knien gehen. Alles geben. Um sie (aus)leben zu können. Lieber würde ich hungern, als dass ich das einzige zählbare Erbe dieser so großartigen Familie an mich, verraten und jemals wieder vergessen würde! Auch ihnen selbst – zuliebe. Blut ist kein Wasser. Verrückt ist auch – nur relativ. Oder kennen Sie etwa das Gefühl, innerhalb von 30 Minuten (mit einigen Tagen Vorlauf, Suche und Preisvergleichen) zwei Monatsgehälter für einen einzigen Traum auszugeben? Ich schon. Das ist fast so gut wie Sex. Nicht deswegen, weil mich Verprassen aufgeilt, nein! Deswegen, weil ich es auch mit diesem einen Traum immer und immer wieder treiben werde. DAS macht mich geil. Weil gut. Gleich gut, wie das Leben, das mir durch Träume und buntes Treiben meiner Familie geschenkt wurde. Träume, die auch “Liebe” heißen könnten. Sie haben sich für alles in ihrem Leben den Arsch aufreißen müssen. Nur ihre Liebe war überwiegend ein Selbstläufer. Weil sie manchmal sonst gar nichts mehr hatten. Und dennoch wussten sie – sie hatten alles. Liebe, Lernen und Ackern – das macht sich auch bei mir, mit jedem neuen Tag, immer und immer bezahlter. Weil die Beiden auch für mich gestorben sind. Juli könnte glatt mitsingen, während im Player “Never give up, it’s such a wonderful life!” in Endlosschleife dröhnt. Kreise, die sich schließen. Rettungsringe des Glücks. Oder: Herr und Frau der Ringe. Lieben und lieben lassen. Ein wunderschönes, ärmlich-reiches Zweisein-Dasein. Und wahre Träume, die man lebt. Mit Fleisch, Herz und Blut. Auch im digitalen Zeitalter. Schleifen, sag’ ich doch! Unendlichkeitstheorie :-P
