Geboren bin ich an einem Septembertag im Jahre 1967, auf der Insel Rab in Kroatien. Ein kleines aber wunderschönes Fleckchen Erde, auf dem ich 23 Jahre lang aufgewachsen und gereift bin :-)

DAS ALTE HAUS

Im Kreis einer großen Familie, teilweise, wenn wir uns mal alle getroffen und gegessen hatten – mit über 20 Mann an einem Tisch.

ALTE ZEITEN

 

Mein Leben und somit auch diese Seiten wären nichts ohne sie, ohne all diese Menschen. Aber ich erwähne nur einige von ihnen. Die, die ich wirklich die Meinen nenne. Weil, wenn ich über mich schreibe, schreibe ich auch über sie. Über das, was mir immer so heilig war und immer noch ist: Familie.

Marica.

MAMA

Meine Mutter und ein Mensch, der dieser und vielen anderen Familien an diesem Tisch auch, das gegeben hat, was ich selbst heute immer noch habe. Vor allem Halt, den nur eine Familie bieten kann. Und noch etwas, was sonst keiner so gut konnte – die Liebe zum Leben. Von Beruf Hausfrau und Mutter, für mich der wichtigste Mensch auf dieser Welt. Und auch nach ihrem Tod im Jahr 2004 wird sie das trotzdem für mich – für immer bleiben. Nicht nur aus dem Grund, weil sie meine Mutter ist. Sie hat, genauso wie viele andere Mütter auch – alles für mich getan, für alle ihre Kinder. Aber sie war noch viel mehr. Jahrelang alleinerziehend, ohne Reichtümer. Aber dafür mit umso mehr Leben, Humor, Stärke, Hoffnung und Mensch. In ihr und um sie herum. Ihr verdanke ich meine Verrücktheit, die mir nicht immer gut getan hatte, aber sehr oft zu einem guten Leben verholfen hat. Zu der bereits erwähnten Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Gelassenheit, mit denen man das Leben nehmen sollte, wenn man es richtig – und ich meine es RICHTIG – leben und genießen will. In jedem, in allen seinen Momenten, in jeder Sekunde – ganz gleich, ob schöne oder schlechte. Manchmal auch zu streng mit sich selbst, den anderen gegenüber, manchmal alles verlangend und dennoch, nur ein Mensch. Und Mensch bleibend. Sie hatte es schwer, aber sie hat uns allen einiges, vor allem aber mir – leichter gemacht. In dieser Armut damals ist etwas Wundervolles entstanden. Ich hatte das Gleiche, was ich heute auch habe. Das, wofür man sonst aus Deutschland heutzutage auswandert, in die USA, nach Deutz oder sonst wohin. Manche nennen es Glück, manche bessere Zukunft, manche finden es, manche werden es immer suchen und immer wieder verlieren… Aber es ist etwas ganz anderes. Es sind die Möglichkeiten. Die Freiheit, das Potenzial, das in jedem von uns steckt, das, was wir jahrelang an Erfahrungen, an Gutem gesammelt hatten. Um es zu bewahren und dann, wenn die Zeit dazu kommt – es weiter zu geben, teilen, die Früchte dieser Arbeit tragen. Möglichkeiten nützen. Manchmal war sie hartnäckig, dickköpfig, wollte auf keinen hören. Aber in dieser menschlichen Schwäche und oft auf sich alleine gestellt – wuchs ihre Stärke und diese Familie noch enger zusammen, teilte die Armut und diese wunderschönen Jahre miteinander, häufte die Ergebnisse der Arbeit, kleine Reichtümer – und hielt sie zusammen, auch dann, wenn viele Menschen an diesen Tischen gegangen waren. Auf die Suche, in ihre neue Leben, weg von der Insel, weg von uns, weg von ihr. Und erst jetzt sehe ich, wieviel sie erschaffen hat. Wie viel erreicht. Ich habe die Menschen an ihrem Grab nicht gezählt. Ich habe auch diejenigen nicht gezählt, die noch zu ihren Lebzeiten in unser Haus kamen. Aber ich weiß warum. Heute mehr, als je zuvor. Weil ich sie auch kannte. Weil sie in mir lebt. Weil ich ihr Leben und ihre Art – heute selbst mit einigen Menschen mehr – teilen darf und heute viele Möglichkeiten habe, von denen ich damals nicht mal hätte träumen können. Weihnachten kommt jedes Jahr. Bei mir manchmal auch gleichzeitig mit Ostern :-) Mit jedem neuen Jahr sehe ich noch etwas mehr von ihr in mir. Auch ich entwickle mich weiter, erreiche noch einen Ticken mehr in meinem Leben. Ernte die Früchte eines nicht immer so glücklichen Lebens. Aber wenn man weiß, wofür man kämpft, wofür sich das alles lohnt…  Erinnere ich mich immer und immer wieder an sie. Und bin glücklich, weil ich das Glück hatte -  mit Zeit, Arbeit und der gleichen Ausdauer und Menschlichkeit – die richtigen Menschen um mich herum zu behalten und neue, wunderbare Menschen auf diesem gleichen Weg, auf den sie mich geschickt hatte – zu finden. Und mein Leben so zu leben, dass ich mit ihm und mit mir selbst zufrieden und im Reinen bin.

Drago. Mein Vater. Ein Berufssoldat, dem ich die meisten meiner schlechten Eigenschaften verdanke :-) Trotzdem, auch ein sehr starker Mann, der viel im Leben durchmachen musste. Schweigsam, einsam und mittlerweile auch alt. Aber dennoch – voller Stolz, voller Leben und Neugier, gebildet, stur, zurückhaltend, genau… Ein Mensch, der aufgrund seines Lebens und seiner Art nie für mich so wichtig sein konnte wie meine Mutter, mir aber trotzdem sehr viel gegeben hat. Auch sehr viel Gutes. Immerhin verdanke ich nur ihm, dass ich mit Geld gut umgehen kann (Jungfrauen können es ohnehin, aber nur er hat mir den letzten Schubs gegeben :-) Ihm verdanke ich auch meine Wissensdurst, die ich bis heute noch erhalten konnte. Er gab mir die Möglichkeit, die Insel zu verlassen, zu ihm zu kommen, ein neues Leben anzufangen, neue Leute kennen zu lernen. Er gab mir ein zweites Zuhause in einer Großstadt, viel Liebe, viele Gespräche. Durch seine Mühe hatte ich meine erste, richtige Ausbildung, den ersten Beruf, das erste Praktikum… Durch das Spiel des Lebens, auch wenn er jahrelang von meiner Mutter getrennt lebte, wie durch eine Geisterhand geführt – wuchs auch dieser Teil der Familie – mein Bruder und meine Schwester, die zur gleichen Zeit wie ich in Split lebten – enger zusammen. Es war eine sehr lehrreiche Zeit, für alle von uns. Ausbildung, Studium, zum ersten Mal alleine, auf eigenen Beinen zu stehen, jeder für sich und doch – alle zusammen. Es waren auch schlechte Zeiten. Mein Bruder studierte eine Ewigkeit, fand keine Arbeit. Unser Vater hat ihm geholfen. Meine Schwester heiratete den falschen Mann. Unser Vater hat auch ihr geholfen. Ihr erstes Kind kam auf die Welt, als ich noch in der 2. Klasse war, ( Onkel mit 9 Jahren :-) wurde krank, unheilbar krank. Mein Vater tat alles für dieses Kind. Um es zu retten. Fand die besten Ärzte der Stadt, scheute keine Mühe, das Kind auch ins Ausland zu schicken, um sein Leben zu verlängern… Leider vergebens. Letztendlich. Aber bis  dato schenkte er ihm noch ein Stück Leben, Freude, ein Stück Normalität und Würde. Er tat auch für mich alles. Als ich meine ersten Lieben hatte, Geld brauchte, Rat, Essen, Bücher, Auto, Kleidung… Er gab sie mir. Jede Unterstützung, jede Hilfe. Aber dann, als es klar wurde, dass der Bürgerkrieg kommen wird, als General der damaligen jugoslawischen Armee – kümmerte er sich nur noch um sein eigenes Leben, sein Überleben. Er war schon in Rente, jedoch war er für alle Seiten in diesem Krieg mehr als nur eine interessante Figur. Und dadurch zog er sich immer und immer mehr zurück, entfernte sich auch von uns, von mir. Wurde verbittert, enttäuscht, unmenschlich. Spiegelbild dessen, was draußen auf den Strassen passierte. Und später auch im Krieg. Trotzdem, und vor allem nach so langer Zeit, weiß ich, was ich auch ihm zu verdanken habe. Ziemlich viel.  Nicht nur die Gene :-) Auch die Fähigkeit zum Überleben, Gelassenheit aber auch gleichzeitig Stärke, Sicherheit und Aufrichtigkeit, Stolz und Ehre. Und damit auch gleich zwei Macken obendrauf, die viele Mitglieder meiner Familie haben. Zwei Rituale, die aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken sind: zwei warme Mahlzeiten am Tag und allabendliche Nachrichten im Fernsehen :-)

Ante.

DER GROSSE BRUDER

Mein Bruder. Ein Mensch, der gerade in den letzten Jahren seines kurzen Lebens immer mehr meiner Mutter ähnlich wurde. Jemand, der versucht hat, diese immer kleiner werdende Familie zusammen zu halten. Jemand, der auch voller Leben war, oft lachte, ständig müde war, das Meer liebte, seine Frau und seine Kinder… Von Beruf Maschineningenieur, Vater zweier wundervoller Kinder, jemand, der mir das Handwerken beigebracht hatte und die Verbundenheit mit dem Meer, mein Lehrer beim Fischen, Fotografieren, Autofahren, am Boot, bei den technischen Sachen… Und während ich diese Zeilen schreibe, stelle ich fest, dass ich ihm auch sehr ähnlich bin. Und erkenne einmal mehr, dass einige Sachen im Leben miteinander verbunden sind, dass vieles darin einen Sinn hat, dass der Tod auch ein Teil des Leben ist, wie Kinder der Teil einer Familie sind, dass eben diese Kinder ein Abbild ihrer Eltern sind, dass es Menschen und Sachen im Leben gibt, die unzertrennlich sind, wichtig sind, dass, wenn man über sich erzählt – über das ganze Leben erzählt, über alles. Und vor allem über das, was und wer uns zu dem macht, was wir heute sind. Über das, was wir haben, was uns keiner mehr nehmen kann. Nicht mal der Tod selbst. Und über das, was wir nie bekommen werden, wenn wir es nicht schon haben.

Katica. Meine Schwester. Ingenieur der Elektrotechnik. Eine zierliche Frau, die selbst auch vieles im Leben durchstehen musste; das Leben fern vom eigenen Zuhause, eine Scheidung, den Tod ihres ersten Sohnes, der durch eine furchtbare Muskelkrankheit nur 23 Jahre alt wurde. Dasselbe Alter, in dem ich mein Zuhause verlassen hatte. Ein lieber, weiser Mensch und Schwester, ein Energiebündel, dem das Leben leider viel von dieser Energie geraubt hat, ein Mensch, der immer schwerer durch das Leben schreitet, von vielen seiner Schläge gekennzeichnet wurde, aber genauso wie wir alle – nie aufgeben wird. Ihr verdanke ich die nicht immer gleich bleibende Liebe zu Büchern, zu Musik, viel von ihrer Stärke und Ausdauer, Moral… Sie hat mich gelehrt, dass jede Sache in sich – mindestens zwei Seiten haben kann, was das Wort „Beziehung“ tatsächlich bedeutet, was es heißt, aus Kleinigkeiten ein großartiges Leben zu führen, diese wahrzunehmen, zu genießen, wieder neue zu finden… Sie war der Mensch, von dem ich meinen unruhigen Geist habe, viele Interessen, damit auch die Vielseitigkeit, dieses gewisse Etwas, das uns alle innerlich nie ruhen lässt und uns dennoch, viel mehr als manche es glauben mögen – diese wundervolle Kraft gebende Ruhe – finden lässt. Uns letztenendlich, in jeder Lebenslage (gerade in den prekären) immer ruhig bleiben lässt. Immer und immer wieder. In allem, was wir tun und was uns wiederfährt. Bis auf das Glück. Da waren wir alle schon, viel öfter als das bekannte Sprichwort – die glücklichsten Menschen auf der Welt.

Und last but not least… Ich :-)

ICH ESSE GERN

 

Andrej. 42 Jahre alt. Das schwarze Schaf der Geschwister. Immer noch kein Ingenieur ;-) Ein Mensch mit zwei Namen und vielen Berufen. Aus Liebe heiße ich heute Montan mit Nachnamen. Aus Liebe bin ich hier. Aus Liebe bin ich das, was ich heute bin. Und diese Liebe bekomme ich jetzt wieder zurück. Heute mehr, als je zuvor. Trotz der Schläge, die mir das Leben auch selbst zugesetzt hat. Trotz der Scheidung. Trotz allen und allem. Familie. Zuhause. Lachen. Leben. Freunde. Menschen. Teilen… Wichtig. Damals wie heute. „Eine Schachtel mit Pralinen“- würde Tom Hanks sagen. Man weiß nie, was man bekommt. Aber man weiß, was man hat. Werte, die nie vergehen, auch dann nicht, wenn sich der Kreis schließt. Vielleicht mögen sie verblassen, vielleicht gehen sie, verändern sich… Aber sie kommen wieder. Und bleiben. Werte, die Milliarden von Jahren die Welt am Leben erhalten haben, sie bewegen, sie weiterdrehen lassen. Werte, so wichtig, wie das Leben selbst.

DER WEG… Hoch und quer und dennoch  geradeaus ;-)

Alles hat an einem warmen Septembernachmittag angefangen, an einem angeblichen Unglückstag- und Zahl. Ein 4500g schwerer Brocken, der schon in den ersten Stunden ums Überleben kämpfte. Ich bin zwar auf die Welt gekommen, konnte aber nicht weinen, nicht mal atmen. Mein Leben verdanke ich meinen Eltern, mein Überleben wohl mir selbst und einer Insel-Hebamme. Nachdem ich nur wimmerte und schon ganz blau wurde, meine Mutter sagte mir mal – ich wurde so blau, wie die Trauben, die sie gerade auf dem Feld pflegten, als die Wehen ansetzten – und blieb so. Stundenlang. Ich schwieg, kämpfte, hielt die Luft an und hatte wohl kein Gefallen an dieser Welt finden können… :-) Erst als diese Hebamme mich anfing zu „bearbeiten“, wurde ich zurück ins Leben geholt. Und diese ersten Stunden meines jungen Lebens haben mich wohl für seinen Rest geprägt. So bin ich auch heute noch. Weine nur selten. Stattdessen lache ich viel lieber. Wenn ich mich ärgern muss, halte ich lieber erst einmal die Luft an und schreie es erst dann aus voller Kehle heraus. Statt viel zu reden, schweige ich lieber. Und liebe das Leben. Ich weiß, was Wort „Mutterliebe“ bedeutet. Nur blau bin ich fast nie mehr. Einmal hat es auch schon gereicht :-)

Auf der Insel blieb ich 23 Jahre lang, wuchs unter dem Schutz und Großzügigkeit einer zahlreichen Familie, hatte am Anfang nur wenige Freunde. Das Leben damals war hart. Man musste, so wie heute auch – viel arbeiten. Sowohl zu Hause, als auch an sich selbst, um etwas zu erreichen, um etwas zu werden, um das, was man hat – zu erhalten. Kroatien ist eine Gegend, die hauptsächlich vom Tourismus lebt und von den eigenen zwei Händen und eigenem Kopf. Schlichte aber intelligente Menschen, die mit ihrer Arbeit und ihrem Geist schon viel erreicht haben. So war meine Familie auch. Ich bin auf die Welt gekommen in der Zeit, wo zum Teil 30 Gäste und Touristen gleichzeitig ihr Abendessen haben wollten, wo man am frühen Morgen aufs Feld ging, um die Familie ernähren zu können, um Gemüse und Obst nicht kaufen zu müssen, morgens, wenn die Sonne noch nicht ihre mörderische Hitze in vollen Zügen auf die Erde strahlen konnte. In der Mittagszeit ging es wieder nach Hause, man aß zusammen, erzählte, lachte, ruhte sich aus… Am Nachmittag wurden die Betten im Haus frisch gemacht, während sich Touristen am Meer und an ihrem wohlverdienten Urlaub erfreuten. Und wenn alles fertig war, ging man dann selbst aufs Meer, sonnte sich, badete… Und am Abend wurde dann gekocht. Wie in einer Hotelküche. Und anschließend Abwasch gemacht, aufgeräumt… Trotzdem blieb noch viel Zeit. Weil alle zusammen und miteinander arbeiteten. Und jeder Tag, wie jeder Mensch auch – war anders. Manchmal gingen die Kinder mit aufs Feld, haben kleinere Arbeiten verrichtet – Unkraut gezupft,  Wasser geschleppt, bei der Ernte mitgeholfen. Manchmal blieben sie zu Hause und halfen beim Zimmermachen, beim Putzen, Betten, beim Frühstück… Und als die Glocken des größten Turmes der Insel 12 Uhr verkündeten, waren alle wieder zu Hause. An einem Tisch. Und aßen zu Mittag. Groß und Klein. Und wenn der Opa mal nicht konnte, weil man mit dem Boot auch Geld reinbringen musste, haben die Kinder ihm das Essen in den Hafen gebracht und blieben am Boot, fuhren mit ihm zusammen hinaus, fischten, badeten… Tag ein, Tag aus…

Trotz der Härte des Lebens, hatte ich alles. Die Geschichten wiederholen sich… :-) Gerade in den harten Zeiten, lernte man Freunde kennen, die einen auch heute, auch 30 Jahre später, immer noch begleiten. Menschen, die zu dem geworden sind, was man „ein wahrer Freund“ nennt. Man hat Häuser gebaut, ein Heim für die Familien. Man hielt uns für Narren, weil mein Opa noch damals, Anfang 1903 auf seinem Rücken lose, harte Steine zwei Kilometer den Berg hinauf trug, weil sie es selbst ni,cht besser wussten. Steine trotzen jedem Klima, jedem Wind. Und sie wussten auch nicht, was Elektrizität bedeutet, Wasser, geebnete Wege… Heute wissen sie es. Dieses Haus wird in diesem Jahr 107 Jahre alt. Es trotzt immer noch :-) Wie mein Opa damals, der sich so seine Gedanken über Zukunft schon in seinen jungen Jahren gemacht hat. Ein Seher. Ein Schlauer. Ein Schlitzohr. Alphatier dieser Familie. Diese Familie wuchs durch ihn zusammen, Freunde besuchten uns, Kinder wurden geboren, es wurde gearbeitet, gelebt, gelacht, gestritten. Kreise, die sich zwar irgendwann wieder schließen, aber auch wiederholen und weiterleben. Heute anders wie damals, aber es ist das Gleiche. Es ist das, was sich schon seit Jahrhunderten nicht mehr verändert hat und vielleicht dort nie verändern wird.

Dank dieses Lebens brauchte ich damals nie einen Beruf, wünschte mir nie etwas mehr als das, was ich hatte oder viel mehr als das, was ich haben könnte. Freunde kamen von alleine, weil man manchmal in der Not war und Hilfe brauchte. Weil einige doch erkannt haben, was für großartige Menschen wir waren. Großer und feiner Haufen :-) Menschen, Freunde… Von da an, waren sie da. Immer. Es kam die Schulzeit, noch mehr Freunde dazu, Spielen, Lernen, Aufwachsen. Und immer wieder Geschichten der „Alten“ und Großen, Geschichten über und für das Leben. Ich verbrachte 16 Jahre meines Lebens dort.

Kindergarten, Hauptschule, Gymnasium, meine erste Liebe, die ersten Tode, die ersten Kinder. Ich sah meine Geschwister aufwachsen, ich sah sie wieder gehen. Aufs Meer hinaus, ins Leben. Die Familie blieb. Auseinander und trotzdem zusammen. An den Feiertagen waren wieder alle da, an anderen Tagen waren alle füreinander da. Irgendwann, mit 16 ging ich auch selbst fort, um wieder zu kommen.

Eine andere Stadt, 300 Kilometer weit von zu Hause, im Süden. Split. Hochschule. Mein erster, richtiger Beruf. Bürokaufmann. Weitere Lieben, weitere Freunde, mit denen ich im Jahr 2007 unser zwanzigjähriges Abschlussjubiläum gefeiert habe. Die ersten Musikkonzerte unter freiem Himmel, die ersten jugendlichen Leichtsinne, Sauftouren, Fahrschule, Tippen mit 10 Fingern, Lernen fürs Jura, gefärbtes Haar, U2, Simple Minds, täglich ins Kino gehen, Disco bis morgens um 7, die wöchentlichen Besuche bei unserem Professor, der uns die Klassik nahegebracht hat, der 18. Geburtstag und der erste, unbeholfene „Heiratsantrag“, die erste, echte Bigamie und zwei Freundinnen an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig, die ersten Fahrten in einem Fiat 500, der meiner Schwester gehörte und trotzdem mit mir teilte. Der erste „PC“ und die durchgespielten Nächte bei mir zu Hause mit Freunden. Schule schwänzen…

Dann kam der Wehrdienst, ein Jahr lang weit weg von Zuhause, klirrende Kälte in den Bergen, wo man sich heute noch daran erinnert, wie die eigene Spucke noch in der Luft erfror, noch bevor sie als Eisbrocken auf den Boden fiel. Die erste Trennung nach einer jahrelangen Beziehung, in einem einfachen Brief. Die ersten Tränen als Mann, als Soldat mit einem Gewähr, an einem sonnigen Tag, als diese verdammt geile Familie zur Besuch kam – der Vater, selbst ein hohes Tier der Armee, die stolze Mutter, mein kleiner und schon kranker und kaum noch laufender Neffe… Harte sechs Monate irgendwo in der Pampa, in den Bergen, weit weg von Meer. Spezialeinheit der JNA (Jugo-Nazional-Armee :-), Kommandos. Überlebenstraining. Ausgesetzt in irgend einem Dorf und nach 2 Wochen wieder abgeholt. Wie wir überlebt hatten, war uns alleine überlassen. Da habe ich Sachen (üb)erlebt, dass ich beim Wort „GSG 9″ immer schmunzeln muss. Die ist gegen die Jugos von damals ein Chorverein. Aber auch diese Zeit prägte mein heutiges Überleben. Hunger und Kälte, Ausdauer und Pfiffigkeit, Anpassungsfähigkeit und Kampfgeist… Gute Zeiten, schlechte Zeiten… :-) Die restlichen sechs Monate durfte ich dann wieder am Meer verbringen. Montenegro, in einem Kur-Krankenhaus.  Menschen helfen, sich an einer warmen Milch erfreuen, die an der Heizung aus Milchpulver zusammengebraut wurde. Das Trotzen der ganzen Welt und Waffenmacht und dem Leben da draußen. Die ersten Toten in meinem Leben. Die Kur hat ihnen nicht gut bekommen :-) Die ersten Krimis unter dem Licht der Laterne vor dem Wachhäuschen, der erste Walkmann und Überhören von Offizieren, die mit scharfen Waffen Kontrollen unserer Wachposten durchführten, ausgerechnet bei meinem Lieblingslied in den Ohren…



Nun stehen die nächsten Tage und Wochen im Zeichen des Hasis. Fange heute an, dann schauen wir mal, was noch daraus wird ;-)

Lieblingsort: DAS Zuhause

Lieblingsorte in Köln: Stadtbibliothek, Starbucks, Melatenfriedhof

Lieblingsfarbe: Blau

Lieblingsbeschäftigung: Lachen

Lieblingsfilme: Ich bin Sam, Amadeus, Das Haus am Meer

Lieblingsbuch: Der träumende Delphin

Lieblingslieder: Jeanny (Falco), gleichzeitig auch das beste Musikvideo, das je gemacht wurde. Angel of Harlem und With or without you von U2


2 Antworten zu „Über Hasi“


  1. 1 anne November 27, 2009 um 9:03

    endlich mal Du, und nicht die anderen:-)

    • 2 andrejmontan November 27, 2009 um 10:33

      Man lernt nie aus ;-) Jemand hat seinerzeits mal zu mir gesagt: Du denkst nur an dich selbst. Irren ist nicht nur männlich… ;-)
      Danke und liebe Grüße nach aus ;-)


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HIER WIRD GETWITTERT ;-)

  • Zurück aus Berlin. Liebe(s)-Urlaub mit 5Sternen. Nicht viel von der Stadt gesehen,dafür nur Augen für einen Menschen gehabt.Du bist klasse! 1 month ago
  • denkt (heute umso mehr) beim 1.Kaffee darüber nach, was er hat und grinst sich einen. Laute Geschenke. Menschen,die man nie vergisst... 3 months ago
  • Ein heißer Aldi-Kaffee, Aufwachen mit liebevollen Gedanken, die später ihren Zettel fanden-ergeben 1neuen,sonnigen Tag in K. Trotz Regen. 3 months ago
  • Findet kurzes Nickerchen nach 3Frühdiensten voll in Ordnung. Friseurbesuche von Frauen nach Feierabend auch.Danach sehen beide toll aus:-)) 3 months ago
  • @DanielPalm Gute Besserung! Nicht nur von Berufs wegen ;-) So lange Du nicht beim Husten quiekst :-X Steife Brise war´s. Bestimmt :-) 3 months ago
  • Schon toll.. Wenn man auch in eigener Stadt Engel hat. Früher Hasi fängt die Flügel... (Kroatische Wortwendung :-) 3 months ago
  • genießt das Grau in Köln.Mal wieder;)Dafür mit Abwechslung.Heute mit Kerzen und Senseo.Frühstück followe ich auch gleich.Schnupper-es.de :-P 3 months ago
  • weiß, was er hat... Noch bekommen wird... Und bemüht sich, das alles zu erhalten... Auch hier sei gesagt:Wie gut,dass es Zettel gibt ;-) 3 months ago

 

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